Mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher: US-Beamte holen Demjanjuk ab
zuletzt aktualisiert: 14.04.2009 - 21:15Cleveland (RPO). Der frühere KZ-Wächter John Demjanjuk ist am Dienstag von der US-Justiz in Gewahrsam genommen worden. US-Beamte holten den 89-Jährigen in einem Rollstuhl aus seinem Privathaus in Seven Oaks nahe Cincinnati im Bundesstaat Ohio ab. Demjanjuk soll nach München ausgeliefert werden.
Die Münchner Staatsanwaltschaft will Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden den Prozess machen. Der gebürtige Ukrainer soll 1943 als KZ-Aufseher im Vernichtungslager Sobibor Menschen von den Zügen in die Gaskammern getrieben haben. Demjanjuk, der nach dem Krieg in die USA ausgewandert ist und wegen einer Verwechslung sechs Jahre in Israel im Gefängnis gesessen hatte, bestreitet das.
Der Berufungsausschuss der US-Einwanderungsbehörde hatte am Karfreitag Demjanjuks Antrag abgelehnt, das Abschiebeverfahren neu aufzurollen. Sein Sohn hatte darauf Rechtsmittel beim US-Berufungsgericht in Ohio angekündigt und auf schwere Krankheiten seines Vaters verwiesen.
Eine Überstellung nach Deutschland komme einer "grausamen und unmenschlichen" Behandlung gleich, heißt es in dem am Dienstag vorgebrachten Antrag Demjanjuks. Darin wird erneut auf den schlechten Gesundheitszustand des 89-Jährigen verwiesen.
Sein Münchner Pflichtverteidiger Maull sagte, aus den übermittelten Blutwerten Demjanjuks lasse sich keine Haft- oder Verhandlungsunfähigkeit ablesen. Dazu sei eine ärztliche Untersuchung erforderlich. Eine von Demjanjuks Wahlverteidiger Ulrich Busch angekündigte Haftbeschwerde war am Dienstagmittag noch nicht beim Amtsgericht München eingegangen, wie eine Sprecherin sagte.
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