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Ein frisch gebackener Papa berichtet
Mein erster Vatertag

Vatertag: Bericht eines frisch gebackenen Papas
Christian Schwerdtfeger, NRW-Chefreporter der RP, mit seinem Sohn Theo. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Vor zwei Monaten und vier Tagen kam Theo zur Welt. Christian Schwerdtfeger erzählt, wie sich sein Leben durch die Geburt seines Sohnes verändert hat. Kaum nämlich. Einerseits. Andererseits ist nichts mehr so, wie es war. Von Christian Schwerdtfeger, Düsseldorf

Eigentlich wollte ich zum Friseur. Vorher noch schnell meine Frau bei ihrer Frauenärztin absetzen, sie nach dem Haareschneiden wieder abholen und dann in die Redaktion fahren. Aber sie hatte andere Pläne. Ich solle mal schön mit zur Ärztin kommen, sagte meine Frau in einem Ton und mit einem Blick, dass ich wusste, dass das nicht zu verhandeln ist. Sie habe das Gefühl, dass Theo heute zur Welt kommen könnte. Ich zweifelte aber daran. Schließlich hörte ich das schon seit drei Wochen.

Die Ärztin hatte dann auch die Ruhe weg. Nach anderthalb Stunden ("Ich komme gleich zu Ihnen!") teilte sie uns dann mit, dass es jetzt gut wäre, schnell ins Krankenhaus zu fahren. Unser Sohn würde raus wollen. Mit einer Faust in der Tasche, weil sie uns so lange hatte warten lassen, dann aber Druck machte, trat ich aufs Gaspedal.

Ich hatte Sorgen

Das ist jetzt zwei Monate und vier Tage her. Seitdem bin ich Vater. Und ich muss sagen: Das ist ein unglaublich schönes Gefühl! Ich bin ganz ehrlich, wenn ich sage, dass ich damit vorher nicht gerechnet habe. Im Gegenteil. Ich hatte Sorgen. Die Angst überwog. Das Unbehagen nahm von Tag zu Tag zu, je näher der Geburtstermin rückte.

Man hörte so viel von Freunden und Bekannten. Das Leben würde sich mit der Geburt des Kindes komplett verändern. Nachts durchschlafen könne man vergessen. Ständig müsste man raus, um den Kleinen zu beruhigen. Man käme mit tiefen Augenringen zur Arbeit. Abends auf der Couch liegen, Fußball und Serien im Fernsehen gucken, auch das sei nicht mehr möglich. Freunde treffen oder spontan irgendwo hinfahren?

Nicht mehr drin! Man hörte nur solche Sachen, aber dennoch sei ein Kind so schön. Ich dachte deshalb sogar ernsthaft über ein Mutter-Kind-Zimmer nach, in dem die beiden nachts schlafen könnten, so dass ich meine Ruhe haben würde. Ganz toll, dachte ich. Das Leben, das ich mag, wird sich also ändern, sobald Theo da sein wird.

Ein Schnitt im Leben

Und so war es auch. Aber ganz anders als gedacht. Sorgen, Ängste, Nöte waren wie weggefegt. Ein Schnitt im Leben; aufgeteilt in die Zeit vor Theo und die Zeit mit Theo. Schon im Kreißsaal, nachdem ich miterleben konnte, wie mein Sohn zur Welt kam, wusste ich: Mein altes Leben will ich nicht mehr zurück!

Ich möchte an dieser Stelle aber nicht weiter schildern, wie bereichernd das Leben mit einem Kind ist, wie glücklich es einen macht, dass man am liebsten seine ganze Zeit mit seinem Kleinen verbringen möchte. Ich denke, es versteht sich von selbst, dass jeder, der gerade Vater geworden ist, sein Kind für das schönste und intelligenteste hält – und sich selbst mindestens für einen ebenso tollen Vater.

Dabei ist es nichts Besonderes: Allein in Deutschland werden täglich etwa 2000 Babys geboren – und Theo ist in diesem Jahr eben eines davon. Aber natürlich ein besonderes.

Theo schläft durch

Ich werde oft gefragt, ob sich mein Alltag nach der Geburt meines Sohnes geändert habe. Ich muss dann immer sagen: Nein, eigentlich nicht. Ich stehe morgens genauso früh oder spät auf wie früher, frühstücke, dusche, fahre zur Arbeit, gehe weiterhin regelmäßig abends ins Fitnessstudio, gucke nach wie vor Serien, lese ein Buch vorm Einschlafen.

Und nachts muss ich auch nicht raus oder werde wach – jedenfalls nicht wegen Theo. Denn der schläft durch. Es ist sogar so, dass ich vor ihm aufstehe. Und auch tagsüber macht die Miniaturausgabe von mir keinerlei Scherereien. Was er, so haben es meine Eltern gesagt, nicht von mir haben kann.

Klar, werden jetzt manche denken, der hat leicht reden, die Hauptlast trägt ja die Mutter. Das stimmt. Meine Frau stillt, sorgt dafür, dass immer genügend Pampers da sind, meldet Theo in der Pfarrei für die Taufe an. Sie ist ganz klar die Managerin unserer kleinen Familie.

Plötzlich interessiere ich mich für Kinderwagen

Ich gehe als Vater mit ganz anderen Augen durch die Welt. Plötzlich sieht man in der Stadt viele andere Papas, die ihre Kinder in Taschen, sogenannten Manducas (echt praktisch) vor der Brust tragen. In den Drogeriemärkten und anderen Geschäften entdeckt man auf einmal Wickeltische mit kostenlosen Pampers.

Das war zwar alles vorher auch schon da. Aber als Nicht-Papa habe ich diese Dinge eben nicht gesehen. Plötzlich interessiere ich mich für die Bereifung von Kinderwagen. Lange habe ich nach dem passenden Modell gesucht, unzählige Artikel und Erfahrungsberichte gelesen – und mich nach langem Hin und Her für einen Wagen mit schaumstoffbefüllten Rädern entschieden, da diese keinen Plattfuß bekommen können, was, so sagte man mir, häufig vorkäme.

Ein Totschlagargument für einen Grobmechaniker, wie ich es einer bin, der nicht einmal einen Nagel gerade in die Wand hämmern kann. Was ich beim Kauf nicht bedachte, ist, dass dieser Kinderwagen mit Schale nicht in mein Auto passt – und so musste auch ein größerer Wagen für den Vater her (Grins).

Ich meine es doch nur gut

Als Papa muss man an alles denken. So dachte ich zum Beispiel auch, dass es eine gute Idee wäre, einen Sonnenschirm für den Kinderwagen zu kaufen, da Babys nicht die volle Sonne abbekommen sollen. Also kaufte ich einen (übrigens: der mit Abstand teuerste Schirm meines Lebens). Aber seitdem liegt er nur im Schrank, weil meine Frau ihn für unpraktisch hält und stattdessen lieber ein Sonnensegel über den Kinderwagen spannt – was ich wiederum für unpraktisch halte.

Dabei meine ich es als Vater doch nur gut. Aber zu gut ist dann auch wieder schlecht, habe ich gelernt. Schnell wird man von seiner Frau als überbesorgter Vater hingestellt. Was ich wirklich nicht bin – und schon gar kein Vertreter dieser neuen Generation von Vorzeige-Vätern, die einen mittlerweile aus allen Elternzeitschriften (ja, die lese ich mittlerweile auch!) mit ihren Ratschlägen entgegengrinsen und anderen ungefragt Fotos ihres ach so tollen Nachwuchses unter die Augen halten.

Lange konnte ich mich drücken

Ich mag es auch nicht, mich über volle Windeln zu unterhalten – und schon gar nicht, diese zu wechseln. Das ist nicht schön! Lange konnte ich mich davor drücken. Sechs Wochen lang. Dann waren Theo und ich das erste Mal abends allein zuhause. Und es kam, wie es kommen musste. Wie in einem schlechten Film.

Kaum war meine Frau weg, ging es auch schon los – und zwar richtig. Hätte ich es nicht selbst gesehen, ich hätte es nicht für möglich gehalten. Unglaublich, was aus einem so kleinen Kerl rauskommen kann. Als ich ihn nach einer Dreiviertelstunde dann endlich sauber hatte und mich für einen kurzen Moment bückte, um eine frische Pampers aus der Schublade des Wickeltisches zu ziehen, traf mich dann noch ein warmer Schauer auf Kopf und Rücken. Theo musste auch mal für kleine Jungs.

Heute weiß ich, wie man eine Windel wechselt. Und nicht nur das.

Quelle: RP
 
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