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Missbrauchsfall in Ratzinger-Bistum: Vatikansprecher weist Verdächtigungen zurück

zuletzt aktualisiert: 13.03.2010 - 15:55

Vatikanstadt/Bonn (RPO). Vatikansprecher Federico Lombardi hat Papst Benedikt XVI. vor Verdächtigungen im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der deutschen Kirche in Schutz genommen. In den vergangenen Tagen hätten einige "mit einer gewissen Verbissenheit" Anhaltspunkte gesucht, um den Papst persönlich in Missbrauchsfälle zu verwickeln. "Für jeden objektiven Beobachter ist klar, dass diese Bemühungen gescheitert sind", erklärte Lombardi in einem Beitrag für Radio Vatikan am Samstag.

Papst Benedikt XVI. und Erzbischof Robert Zollitsch sprachen am Freitag im Vatikan über die jüngst publik gewordenen Missbrauchsfälle in Deutschland.  Foto: OSSERVATORE ROMANO, AP
Papst Benedikt XVI. und Erzbischof Robert Zollitsch sprachen am Freitag im Vatikan über die jüngst publik gewordenen Missbrauchsfälle in Deutschland. Foto: OSSERVATORE ROMANO, AP

Der Sprecher verwies auf die Stellungnahme des Erzbistums München von Freitag zu einem pädophilen Priester aus Essen. Der Geistliche war Anfang 1980 unter dem Münchener Erzbischof Joseph Ratzinger in den Diözesanklerus aufgenommen und später durch eine Verfügung des damaligen Generalvikars Gerhard Gruber in der Seelsorge eingesetzt worden. Nach 1982, dem Jahr des Wechsels Ratzingers nach Rom, wurde der Geistliche erneut sexuell straffällig. Lombardi betonte dazu, aus der Erklärung des Erzbistums gehe hervor, dass Ratzinger absolut nichts mit den betreffenden Personalentscheidungen zu tun habe.

Unterdessen warnten mehrere deutsche Politiker und Verbände vor einer Fixierung auf Missbrauchsfälle in der Kirche. Entsprechend äußerten sich die Generalsekretäre von SPD und CSU, Andrea Nahles und Alexander Dobrindt, sowie der Deutsche Kinderschutzbund. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) brachte unabhängige Untersuchungskommissionen ins Gespräch. Ähnlich äußerte sich Grünen-Chefin Claudia Roth.

Nahles sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS), Kindesmissbrauch sei "keineswegs auf die katholische Kirche beschränkt". Deshalb rate sie Leutheusser-Schnarrenberger, "nicht so zu tun, als müsse nur in der katholischen Kirche nach Schuldigen gesucht werden. Sie wird sonst bald von anderen Einsichten überholt." Ähnlich äußerte sich Dobrindt. Kindesmissbrauch sei ein "gesamtgesellschaftliches Phänomen", das bisher tabuisiert worden sei.

Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sagte, sexuelle Übergriffe passierten am häufigsten nicht in Schulen, Heimen oder kirchlichen Einrichtungen, sondern in den Familien. In "Rheinpfalz am Sonntag" sagte er, es gebe kein Erkenntnis-, sondern ein Handlungsproblem. Auch werde zu viel über Vorfälle debattiert, die Jahrzehnte zurücklägen. Dabei passierten auch heute 80.000 bis 120.000 Missbrauchsfälle jährlich.

Die Bundesjustizministerin sagte in der FAS, der Blick nach Irland oder in die USA zeige, dass unabhängige Experten- und Untersuchungskommissionen "einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung leisten könnten". Auch Grünen-Chefin Roth forderte eine "nationale unabhängige Untersuchungskommission" und erteilte Runden Tischen eine Absage.

Derweil sprach sich Roths Parteifreundin Renate Künast dafür aus, der Staat sollte die Kirche notfalls durch Kürzung seiner Zahlungen an katholische Schulen zur öffentlichen Aufklärung zwingen. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte sie, sie erwarte von der Kirche, "dass sie sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht und am Ende ein Vorbild ist".

Unterdessen stellten zwei Bischöfe und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, die Zölibatspflicht für Priester in Frage. Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser sagte im ORF, es müsse "überlegt werden, ob der Zölibat eine angemessene Lebensform für den priesterlichen Dienst sei. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagte dem "Hamburger Abendblatt", auch verheiratete Männer sollten Priester werden dürfen.

Glück rechnet mit einem grundlegenden Wandel in der Kirche. Wer dem Schutz der Opfer nicht oberste Priorität einräume, gefährde die Glaubwürdigkeit der Kirche, sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Der Zdk-Präsident plädierte auch für ein Nachdenken über die Zölibatspflicht für Priester. Papst Benedikt XVI. hatte noch am Freitag die Ehelosigkeit als wesensmäßigen Bestandteil des Priesterseins bekräftigt.

Quelle: KNA/rm

 
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