Pannenserie in NRW-Justiz: Verbrecher flieht aus Landgericht Hagen
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 03.02.2010 - 20:31Hagen (RP). Ein Gewaltverbrecher konnte am Mittwoch aus dem Fenster des Landgerichts Hagen fliehen. Der 37-jährige Miguel F. entkam über ein Baugerüst. Derzeit wird die Fassade des Gebäudes saniert. „Die anwesenden Justizwachtmeister versuchten dem Mann nachzueilen, aber sie bekamen ihn nicht zu fassen”, sagte ein Gerichtssprecher.
Der Flüchtige war wegen Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten verurteilt worden. Die Polizei warnte die Bevölkerung vor dem Kriminellen. Der Iserlohner gilt als gewaltbereit. Der Gerichtssprecher erklärte, nach der Flucht würden nun Konsequenzen geprüft. Die Wachtmeister seien grundsätzlich unbewaffnet.
Obwohl die Bediensteten ihre Kollegen an der Pforte per Funk über den Ausbruch informiert hatten, kam die Verstärkung nicht schnell genug. Das NRW-Justizministerium wollte sich gestern nicht zu dem Fall äußern, da ein Bericht aus Hagen noch nicht vorliege. Monika Düker, Innenexpertin der Grünen im Landtag, verlangte eine Analyse möglicher Sicherheitslücken.
Ralf Jäger, Vize-Fraktionschef der SPD, kritisierte, die Flucht setze die „Pannenenserie in der NRW-Justiz” fort. „In immer kürzeren Abständen kommen die Hiobsbotschaften über entlaufene Häftlinge oder gefährliche Sexualstraftäter”, sagte Jäger.
Der SPD-Politiker fragt sich: „In welcher Stadt müssen die Menschen morgen befürchten, noch immer gefährlichen Sexualstraftätern oder entflohenen Häftlingen über den Weg zu laufen?” Vor zwei Wochen waren zwei Häftlinge aus der JVA Münster entkommen, vor Weihnachten gelang zwei Schwerverbrechern aus der JVA Aachen die Flucht.
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