Polizistenmord von Heilbronn: Verdächtige waren in Neonazi-Szene aktiv
zuletzt aktualisiert: 09.11.2011 - 20:26Stuttgart (RPO). Die 2007 in Heilbronn getötete Polizistin ist offenbar von Tätern mit Verbindungen in die rechtsextreme Szene erschossen worden. Die beiden mutmaßlichen Bankräuber, die in Eisenach tot aufgefunden wurden, und die wegen einer Hausexplosion in Zwickau verhaftete Beate Z. waren in der Neonazi-Szene aktiv, wie das Thüringer Innenministerium am Mittwoch mitteilte.
Das Trio, das auch mit dem Polizistenmord in Heilbronn in Verbindung gebracht wird, gehörte zur rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz". Der Fall gilt als einer der spektakulärsten in der bundesdeutschen Kriminalgeschichte und beschäftigt Polizei und Staatsanwaltschaften in drei Ländern.
Auch wenn sich die Ermittlungen noch lange hinziehen und zwei der Tatverdächtigen nicht mehr befragt werden können, hoffen die Ermittler auf eine Aufklärung. Die am Mittwoch in Untersuchungshaft genommene Beate Z. schweigt jedoch. Sie hatte zusammen mit den beiden mutmaßlichen Bankräubern in dem explodierten Haus in Zwickau gelebt.
In dem Haus sind am Mittwoch weitere Waffen gefunden worden. Um welche Art von Waffen es sich handelt, wollten die Ermittler nicht sagen. Die neuen Beweismittel sollen nun kriminaltechnisch untersucht werden.
Gruppe tauchte 1998 unter
Die rechtsextreme Gruppe tauchte nach Angaben des thüringischen Innenministeriums 1998 unter, nachdem in Jena ihre Bombenwerkstatt ausgehoben worden war. Seitdem seien sie in Thüringen nicht mehr mit politisch motivierten Straftaten aufgefallen, sagte Landesinnenminister Jörg Geibert (CDU).
Die 36 Jahre alte mutmaßliche Komplizin der beiden Männer sitzt seit Mittwoch wegen schwerer Brandstiftung in Untersuchungshaft. Sie soll am vergangenen Freitag eine Explosion in dem Zwickauer Haus ausgelöst haben. Am selben Tag wurden kurz nach einem Banküberfall im thüringischen Eisenach die Leichen der beiden mutmaßlichen Täter in einem Wohnmobil aufgefunden. Laut Polizei haben die Männer Suizid begangen. Ihre Motivlage ist weiter unklar.
Die in dem Wohnmobil sichergestellten Waffen seien eindeutig der ermordeten Polizistin Michele K. und ihrem damals schwer verletzten Kollegen zugeordnet worden, teilten die Staatsanwaltschaft Heilbronn und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart mit. Außerdem seien bei der tatverdächtigen Gruppierung die Handschellen der getöteten Polizistin gefunden worden sowie ein Messer, das vermutlich ihrem Kollegen gehörte.
Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und LKA in Baden-Württemberg wurde in dem abgebrannten Gebäude in Zwickau eine baugleiche Waffe gefunden, mit der die Polizistin erschossen wurde. Ob es sich dabei um die Tatwaffe handele, werde derzeit überprüft.
Tatwaffe möglicherweise gefunden
Nach Angaben der Polizei in Zwickau wurden in dem Haus zunächst fünf Pistolen, ein Revolver und ein Repetiergewehr gefunden. Es lasse sich noch nicht sagen, ob darunter die bei dem Tötungsdelikt genutzten Waffen seien, sagte der Leiter der Polizeidirektion Südwestsachsen, Jürgen Georgie. Sie seien massiv durch die Explosion und den Brand beschädigt worden.
Auf der Suche nach weiteren Beweismitteln wurde am Mittwoch der Brandschutt der Wohnung in Zwickau untersucht. Es gebe eine Vielzahl an unterschiedlichen Spuren, sagte Georgie. In der ausgebrannten Wohnung fand die Polizei unter anderem mehrere Kleidungsstücke, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bei drei Banküberfällen in der Region um Zwickau getragen wurden.
Die Polizei jagt seit viereinhalb Jahren die Mörder der 22-Jährigen Polizistin der Böblinger Bereitschaftspolizei, die aus dem ostthüringischen Oberweißbach stammte. Sie war am 25. April 2007 auf einem Parkplatz in Heilbronn durch einen Kopfschuss getötet worden. Ihr Kollege erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Beiden wurden die Dienstwaffen geraubt.
Die weiteren Ermittlungen konzentrieren sich laut Behörden derzeit vor allem auch auf die Frage, welche Verbindungen die Tätergruppierung nach Heilbronn hatte, aber auch auf die am Dienstag in Jena festgenommene Frau. Von einem dringenden Tatverdacht gegen die Frau bei dem Mord an der Polizistin geht die Staatsanwaltschaft aber derzeit nicht aus.
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