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Vereinbarkeit von Beruf und Familie
Junge Eltern fühlen sich überfordert

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Junge Eltern fühlen sich überfordert
28 Prozent der erwerbstätigen Mütter wünschen sich mehr Zeit für den Job. Zwar wollen das nur sieben Prozent der Väter, aber 79 Prozent von ihnen hätten gern mehr Zeit für die Familie. FOTO: dpa, bu jhe skm
Exklusiv | Berlin. Jeder zweite Vater und jede vierte Mutter würde nach Angaben der Bundesregierung lieber weniger arbeiten, um mehr Zeit für die Kinder zu haben. 60 Prozent würden Aufgaben gleichmäßiger verteilen. Von Birgit Marschall

Zu viel Zeit im Job, zu wenig für die Kinder: Viele junge Mütter und Väter fühlen sich zunehmend überlastet und beklagen Zeitknappheit. Jeder zweite Vater und jede vierte Mutter in Deutschland würde gern weniger Zeit mit Erwerbsarbeit verbringen, um dafür mehr Zeit für Kinder und Familie zu haben. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. 65 Prozent der berufstätigen Eltern geben demnach in Umfragen an, sie könnten ihre Arbeitszeit entgegen ihren Wünschen nicht reduzieren, weil sie auf die Einkünfte angewiesen seien.

Die Zahlen der Bundesregierung stützen einen Befund, der sich in dieser Woche auch aus der jüngsten AOK-Familienstudie ablesen ließ: Auch danach beklagt heute etwa die Hälfte aller Eltern, dass sie sich im Alltag zwischen Job und Familie durch Zeitmangel gestresst fühlen. 2010 lag der Anteil der überlasteten Eltern erst bei 40 Prozent. Der AOK-Bundesverband ließ für seine Studie 1000 Mütter und Väter befragen.

Die meisten erwerbstätigen Mütter in Teilzeitbeschäftigung

Während Väter sehr häufig Vollzeit arbeiten, gehen die meisten erwerbstätigen Mütter einer Teilzeitbeschäftigung nach. Dies trifft den Zahlen der Regierung zufolge auch dann noch zu, wenn die Kinder bereits älter sind. Rund 2,5 Millionen vollzeiterwerbstätigen Vätern mit Kindern zwischen acht und 14 Jahren standen 2014 nur rund 700.000 vollzeittätige Mütter gegenüber, wie aus der Regierungsantwort hervorgeht. Auch Väter von Kindern zwischen drei und acht Jahren arbeiteten viermal häufiger Vollzeit als die Mütter. Dagegen war der Teilzeitanteil von Vätern der bis zu Dreijährigen im Vergleich zum Teilzeitanteil der Mütter gering: 500.000 teilzeitbeschäftigten jungen Müttern in Paarbeziehungen standen 21.000 Teilzeit-Väter gegenüber.

Mit wirklichen Zeitbedürfnissen hat das wenig zu tun, wie das Papier zeigt. 28 Prozent der erwerbstätigen Mütter wünschen sich mehr Zeit für den Job. Zwar wollen das nur sieben Prozent der Väter, aber 79 Prozent von ihnen hätten gern mehr Zeit für die Familie. "Gut 60 Prozent der Eltern, deren jüngstes Kind zwischen einem und drei Jahre alt ist, wünschen, dass beide Partner im gleichen Umfang erwerbstätig sind und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie kümmern." Auch 47 Prozent der Eltern älterer Kinder "würden idealerweise eine Konstellation wählen, in der beide Partner gleich oder annähernd gleich lange ihrem Beruf nachgehen".

Vielerorts korrespondieren die zu frühen Schließzeiten der Kitas und Schulen nicht mit den Anforderungen eines Vollzeit-Jobs, sodass meistens die Mütter allenfalls Teilzeit arbeiten. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will längere Kita-Betreuungszeiten daher mit bis zu 100 Millionen Euro fördern.

1873 Personen haben Partnerschaftsbonus beantragt

Zudem wurde 2015 neben dem Elterngeld plus für Teilzeit-Eltern ein Partnerschaftsbonus eingeführt: Eltern, die sich die Betreuung des Kindes teilen und beide mindestens 25 Wochenstunden arbeiten, bekommen vier zusätzliche Elterngeld-Monate. Doch bislang fruchtet das kaum: "Von den 42.772 Personen, die im vierten Quartal 2015 Elterngeld bezogen und Elterngeld plus beantragt haben, haben 1873 auch den Partnerschaftsbonus beantragt", so die Regierungsantwort.

Grünen-Fraktionsvize Katja Dörner kritisierte: "Eltern wollen mehr Zeit für ihre Kinder. Und sie wollen sich Erwerbs- und Familienarbeit gerecht untereinander aufteilen. Elterngeld und Elterngeld plus reichen nicht, um Eltern dies zu ermöglichen." Dörner plädiert dafür, die Subventionierung der Familienzeit deutlich auszuweiten.

Quelle: RP
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