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Patient im Maßregelvollzug
Vergewaltiger soll Frau während eines Freigangs getötet haben

Hannover. Ein suchtkranker Sexualstraftäter soll beim Klinik-Freigang in Niedersachsen eine junge Frau getötet haben.

Die Staatsanwaltschaft Verden geht davon aus, dass der 48-Jährige einen unbegleiteten Ausgang im vergangenen September dazu nutzte, um die 23-Jährige umzubringen. Das teilte die Ermittlungsbehörde am Freitag mit.

Der Mann sitzt seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Er war im Januar 2013 wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt worden, wegen seiner Alkoholsucht kam er in den sogenannten Maßregelvollzug nach Bad Rehburg. Seit Ende 2014 durfte er die Klinik dort auch unbegleitet immer wieder verlassen.

Die Leiche der 23-jährigen Frau war im Herbst vergangenen Jahres nach tagelanger Suche im Klosterwald bei Loccum gefunden worden. Eine Obduktion ergab, dass sie Opfer eines Gewaltverbrechens wurde. Zeugen hatten die junge Frau kurz vor ihrem Verschwinden in Begleitung eines kräftig gebauten Mannes gesehen. Zur Verhaftung des 48-Jährigen hätten schließlich auch Hinweise aus der Klinik geführt, in der der Verdächtige untergebracht war, hieß es.

Immer wieder gab es in Niedersachsen in den vergangenen Jahren Fälle, wo Straftäter im Maßregelvollzug auffällig wurden. Großes Aufsehen machten im vergangenen Oktober etwa fünf junge Männer, die gemeinsam aus dem Maßregelvollzug in Zeven flüchteten. Sie wurden schon einen Tag nach ihrer aufsehenerregenden Flucht von der Polizei geschnappt. Nach einer Reihe ähnlicher Pannen im niedersächsischen Maßregelvollzug entfachte der Ausbruch erneut eine Diskussion über die Sicherheit in den Kliniken. Zum aktuellen Fall wurde am Freitag eine Sondersitzung des Sozialausschusses des Landtags einberufen.

Im Maßregelvollzug werden psychisch kranke oder suchtkranke Menschen untergebracht, die schwere Straftaten verübt haben. Weil sie von einem Gericht aber nur als eingeschränkt oder gar nicht schuldfähig eingestuft wurden, kommen sie nicht in ein Gefängnis, sondern in den Maßregelvollzug in eine Klinik. Ziel ist es, die Allgemeinheit zu schützen. Außerdem sollen die Patienten so weit therapiert werden, dass sie nicht mehr gefährlich sind.

(felt/dpa)
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