Hitze-Pannen in 50 ICE-Zügen: Verkehrsausschuss-Chef fordert neue Klimaanlagen
zuletzt aktualisiert: 16.07.2010 - 08:33Halle (RPO). Angesichts der Probleme mit den Klimaanlagen in Fernzügen ist bei der Bahn kein Ende der Pannenserie in Sicht. Seit Samstag sollen in 50 Zügen die Klimaanlagen ausgefallen sein. Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Winfried Hermann (Grüne), fordert eine Ausrüstung der neuen Züge der Bahn mit modernen Klimaanlagen.
Hermann forderte, die neuen Züge der Bahn mit leistungsfähigeren Klimaanlagen auszurüsten und die alten Züge zu modernisieren. "Eine Konsequenz muss sein, dass neue Züge auf höhere Temperaturen ausgelegt sind", sagte er. "Die Klimaanlagen müssen dann bis zu 45 Grad Außentemperatur bewältigen können. Auch bei Kälte muss man mit größeren Extremen rechnen." Bei der Modernisierung der älteren Züge, vor allem der ICE-2-Flotte, müssten die Klimaanlagen ausgetauscht werden.
Bahnchef Rüdiger Grube habe bestätigt, dass die älteren Baureihen des ICE mit neuen Kühlgeräten ausgestattet werden, die auch auf höhere Temperaturen ausgelegt seien. Grube sagte am Freitag, die Generalüberholung der Reihe ICE II beginne in der zweiten Jahreshälfte. Bisher sei nicht vorgesehen gewesen, auch die Klimaanlagen zu überholen, weil diese zuvor nicht auffällig geworden seien. Jetzt "analysieren wir, ob es nicht besser ist, dass wir auch die Klimaanlage entsprechend überarbeiten", sagte Grube.
Neue Ausfälle möglich
"Natürlich gibt es hier keine Entschuldigung", sagte Grube. Die Ausfälle seien "nicht akzeptabel". Dennoch sei die Auslegung einer Klimaanlage nicht Sache des Betreibers, sondern unterliege einer internationalen Eisenbahnnorm. Das Regelwerk liege "nicht in den Händen der Deutschen Bahn".
Erneute Ausfälle könne er nicht ausschließen, sagte Grube. "Wir geben uns alle Mühe, dass so etwas nicht vorkommt." Ein Versprechen könne er "bei extremen Witterungsbedingungen" aber nicht geben.
Die Bahngewerkschaft Transnet forderte den Bund auf, der Bahn mehr Geld für Investitionen zu belassen. "Der Bund macht einen großen Fehler, wenn er der Bahn eine jährliche Rendite von 500 Millionen Euro abpresst", sagte Vorstandsmitglied Reiner Bieck. Die Bahn brauche das Geld für Investitionen. Bieck forderte die Bahn auf, zusätzliches Personal einzustellen, um sich um die "zu Recht empörten Reisenden" in den Zügen und in den Bahnhöfen zu kümmern.
Die technische Anpassung werde voraussichtlich "ein jahrelanger Prozess", befürchtete Hermann. "Die Kapazitäten sind begrenzt." Der Grünen-Politiker beschuldigte den ehemaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn, die Bahn ausschließlich mit dem Ziel geführt zu haben, "sie an die Börse zu bringen. Da wurde nur das Nötigste investiert, weil alles andere die Bilanzen versaut hätte".
Grube wies die Vorwürfe zurück. Der Materialaufwand für Fernverkehrszüge sei von 2004 bis 2009 von 298 Millionen auf 405 Millionen Euro gestiegen, der Personalaufwand für die Instandhaltung sei im gleichen Zeitraum von 84 Millionen auf 96 Millionen Euro gestiegen.
Die Bahn hatte am Donnerstag eingeräumt, dass Klimaanlagen in älteren ICEs nur bei Temperaturen bis 32 Grad Celsius völlig problemlos funktionieren. Neuere Fahrzeuge der ICE-3- und der ICE-T-Reihe sind bis 35 Grad ausgelegt. In den vergangenen Tagen waren in einigen Fernzügen die Klimaanlagen komplett ausgefallen, weshalb die Züge geräumt werden mussten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen einen Zugchef. In anderen Zügen fielen in einzelnen Waggons die Klimaanlagen aus.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







