Kältewelle fordert Todesopfer: Verkehrslage in Deutschland entspannt sich
zuletzt aktualisiert: 03.12.2010 - 15:13Düsseldorf (RPO). Nach dem Schneechaos der vergangenen Tage hat sich die Lage in Deutschland am Freitag entspannt. Zwar kam es wegen glatter und verschneiter Fahrbahnen noch immer zu zahlreichen Unfällen, aber der Verkehr lief vor dem Wochenende deutlich störungsfreier. In Sachsen-Anhalt erfror ein 62-jähriger Mann bei klirrender Kälte.
Ein Passant fand den im Schnee liegenden Mann Donnerstagfrüh vor dem Eingang einer Sparkasse in Querfurt. Ein herbeigerufener Notarzt versuchte den Mann nach Angaben der Polizei in Halle noch wiederzubeleben, aber ohne Erfolg. Der 62-Jährige wies demnach keine äußeren Verletzungen auf, so dass die Polizei davon ausgeht, dass er erfroren ist.
Tiefstwerte unter minus 20 Grad
Mit Tiefstwerten unter minus 20 Grad hat Deutschland die eisigste Nacht dieser Wintersaison erlebt. Am kältesten war es in der Nacht zum Freitag in Sohland an der Spree (Sachsen) mit minus 22 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Freitagvormittag in Offenbach mitteilte. Der tiefste registrierte Wert aller Zeiten von minus 25 Grad wurde im Dezember 1973 in Memmingen (Bayern) gemessen.
In Niedersachsen geriet am Donnerstagabend auf der Autobahn A 2 ein mit etwa 190 Schweinen beladener Tiertransporter auf schneeglatter Fahrbahn ins Schleudern und kippte um. Ein nachfolgender Lastwagen konnte nicht mehr ausweichen und prallte gegen den Transporter. 40 Schweine starben bei dem Unfall. Die Umladung der anderen Tiere und die Bergung der Lastwagen zog sich bis Freitagvormittag hin. Dadurch bildete sich ein 20 Kilometer langer Stau.
In Sachsen mussten am Donnerstagabend Autobahnabschnitte auf der A 72 zwischen Zwickau und der Landesgrenze zu Bayern wegen starken Schneefalls und glatten Fahrbahnen zeitweise gesperrt werden. Zudem blockierten Lkw die Fahrspuren, so dass der Winterdienst stellenweise nicht mehr durchkam.
Unfälle in NRW
In Nordrhein-Westfalen verlor in der Nacht zum Freitag am Autobahnkreuz Bottrop der 33-jährige Fahrer einer Sattelzugmaschine auf eisglatter Fahrbahn die Kontrolle über sein Fahrzeug und krachte gegen eine Betonwand. Er wurde schwer verletzt. Die Fahrbahn Richtung Hannover blieb für mehrere Stunden gesperrt.
Der Zugverkehr normalisierte sich langsam, es gab aber weiterhin Verspätungen und Ausfälle. Auf der Strecke zwischen dem thüringischen Saalfeld und Lichtenfels in Bayern drohten Bäume unter der Schneelast auf die Gleise zu stürzen. Deshalb sollte diese Bahnlinie nach Angaben der Deutschen Bahn voraussichtlich bis Samstagnachmittag gesperrt bleiben.
Strecke Berlin-München wird umgeleitet
Der ICE von Berlin nach München wurde zwischen Leipzig und Nürnberg umgeleitet. Dadurch verlängerte sich die Fahrt um anderthalb bis zwei Stunden. Reisende erhalten bei der Deutschen Bahn unter der kostenlosen Rufnummer 08000-996633 Auskunft über aktuelle Störungen.
Wegen der Probleme durch das Winterwetter nimmt die Deutsche Bahn in den kommenden Tagen aus Kulanz kostenlos Fahrkarten zurück. Reisende, die ihre Fahrt verschieben oder ganz absagen wollen, könnten ihre Tickets und Reservierungen bis einschließlich Montag ohne die üblichen Gebühren zurückgeben, wie der Konzern mitteilte.
Behinderungen im Flugverkehr
Während die Flughäfen in Frankfurt am Main, Berlin-Tegel, Stuttgart, München und Düsseldorf Verspätungen meldeten, blieb der Londoner Flughafen Gatwick wegen Schnees bereits den zweiten Tag in Folge geschlossen. 600 Flüge fielen dort aus, der London City Airport und der Flughafen im schottischen Edinburgh waren am Vormittag geschlossen.
Gatwick soll am Freitag wieder öffnen. Der Flugbetrieb könne hoffentlich am Morgen wieder aufgenommen werden, erklärte die Betreibergesellschaft am Donnerstagabend in der britischen Hauptstadt. Allerdings müssten sich Reisende auf massive Verspätungen einstellen, der Flugverkehr müsse womöglich immer mal wieder unterbrochen werden.
Die europäische Flugkontrolle meldete darüber hinaus Verspätungen am Pariser Flughafen Charles de Gaulle. Der Flughafen in Genua konnte den Betrieb wieder aufnehmen, nachdem rund 2000 Lkw-Ladungen Schnee von der Startbahn geräumt wurden.
In den nächsten Tagen wird es milder
Nach dem Frost der vergangenen Tage wird es am Wochenende etwas milder, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Freitag mit. Neuerliche Niederschläge sorgen aber in der Nacht zum Montag für erhöhte Glatteisgefahr. Zum Beginn der neuen Woche wird es im Süden verregnet und mild, im Rest Deutschlands trocken und frostig. In den Mittelgebirgen kann das Thermometer nachts wieder auf unter minus zehn Grad sinken.
Am Samstag wird es vor allem in der Mitte und im Süden recht freundlich. Nur vereinzelt kann es leichte Schneeschauer geben. Später kommen von Westen her dichte Wolken und Schneefall auf. Die Temperaturen liegen zwischen minus sechs und null Grad.
In der Nacht zum Sonntag breitet sich der Schneefall aus und geht von Westen her in Regen über. Die Tiefstwerte liegen zwischen minus einem und minus sechs Grad.
Am Sonntag wird es wechselnd bis stark bewölkt. Vor allem in der Nordhälfte fällt noch etwas Schnee, im Westen Regen. Es besteht erhöhte Glatteisgefahr. Die Temperaturen liegen zwischen minus drei und plus vier Grad.
Am Montag wird es im Norden bewölkt, aber es bleibt meist trocken. Im Süden kommt es zu mitunter länger andauernden Niederschlägen. Die Schneefallgrenze steigt dort auf 1.500 Meter. Die Temperaturen liegen im Osten um den Gefrierpunkt, sonst werden bis zu drei Grad plus erreicht.
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