Melamin-Skandal in Baden-Württemberg: Verseuchte Milchbonbons aufgetaucht
zuletzt aktualisiert: 02.10.2008 - 09:16Stuttgart/Peking (RP). Nach dem Skandal um verseuchte Babynahrung in China sind nun auch in Baden-Württemberg Milchbonbons aufgetaucht, die mit der Chemikalie Melamin belastet sind.
Es handele sich um die chinesische Marke „White Rabbit”, teilte das Landesverbraucherministerium gestern mit. Der chinesische Hersteller Guanshengyuan und der niederländische Vertreiber Liroy B.V. starteten eine Rückrufaktion. Die Süßigkeiten werden zu 45 Prozent aus Milch hergestellt.
Eine konkrete Gesundheitsgefahr ist den Angaben zufolge beim Verzehr einzelner Bonbons nicht zu befürchten. Eine Packung der Bonbons wurde in einem Asia-Laden gefunden. Das Ministerium empfahl, sie nicht zu essen.
Erstes Elternpaar vor Gericht
In China zieht währenddessen das erste Elternpaar vor Gericht. Die Eltern eines erkrankten Babys hätten Klage in der Provinz Henan eingereicht, teilte der Anwalt Ji Cheng am Donnerstag mit. Das Gericht werde in der nächsten Woche entscheiden, ob der Antrag angenommen werde. Soweit bekannt ist es das erste Mal, dass Eltern wegen des Skandals vor Gericht gehen.
Die Eltern fordern nach Angaben des Anwalts vom Hersteller Sanlu 150.000 Yuan (15.500 Euro) Schadensersatz für Behandlung, Reisekosten und andere Ausgaben. Das 14 Monate alte Kind leide unter Nierensteinen. Es wurde nach einem Bericht der Wirtschaftszeitschrift "Caijing" seit Geburt mit Milchpulver von Sanlu gefüttert. Mit der Chemikalie Melamin verseuchtes Milchpulver wird für die Erkrankung von rund 50.000 Kindern verantwortlich gemacht, mindestens vier starben bereits.
Nach neuesten Erkenntnissen sind mindestens 20 chinesische Firmen in den Skandal verwickelt. Einige der Hersteller bringen Milchpulver auf den Markt, in weiteren Fällen wurde Melamin nach Behördenangaben in Molkereiprodukten für Erwachsene nachgewiesen.
Das taiwanische Gesundheitsministerium gab am Donnerstag bekannt, dass geringe Mengen Melamin in Milchpulver von Nestlé nachgewiesen wurden. Das betroffene Nahrungsmittel sei in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang hergestellt worden und werde umgehend aus den Regalen genommen.
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