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Nach Milchskandal in China: Verseuchte Produkte in Deutschland sichergestellt

zuletzt aktualisiert: 01.10.2008 - 18:08

Stuttgart (RPO). Nach dem Milchskandal in China sind erstmals auch in Deutschland verseuchte Lebensmittel sichergestellt worden. Es handelt sich dabei um chinesische Milchbonbons, bei denen die Chemikalie Melamin nachgewiesen wurde.

Belastete Baby-Milchpulver in China. Foto: AFP, AFP

Das baden-württembergische Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum teilte am Mittwoch in Stuttgart mit, dass die chinesischen Milchbonbons der Marke "White Rabbit" bei einem Einzelhändler in Stuttgart gefunden worden seien. Der chinesische Hersteller Guanshengyuan und auch der niederländischen Vertreibers Liroy B.V. starteten kurz darauf eine Rückrufaktion. Die Süßigkeiten werden zu 45 Prozent aus Milch hergestellt. Eine konkrete Gesundheitsgefahr ist den Angaben zufolge beim Verzehr einzelner Bonbons aber nicht zu befürchten.

Wie ein Sprecher erklärte, wurde eine Packung der Bonbons in einem Asia-Laden gefunden. Das Ministerium empfahl, sie nicht zu essen. Der Verkauf wurde gestoppt, die Süßigkeiten weltweit zurückgerufen. Bei Melamin handelt es sich um eine Chemikalie, die zur Kunststoffherstellung eingesetzt wird. Die Chemikalie wurde beigemischt, um künstlich einen höheren Proteingehalt vorzutäuschen. Erst am Dienstag wurde die Einfuhr bestimmter chinesischer Milchprodukte nach Deutschland verboten.

Überprüfungen in Deutschland

Mindestens 20 chinesische Firmen sind nach neuesten Erkenntnissen in den Skandal verwickelt. Die Behörden in Peking benannten 15 weitere Unternehmen, in deren Lebensmittelproben Rückstände der Chemikalie Melamin entdeckt wurden. In den meisten Fällen habe es sich dabei um Molkereiprodukte für Erwachsene.

In China starben mindestens vier Säuglinge an Melamin-verseuchtem Milchpulver. Rund 54.000 Babys zogen sich Nierenerkrankungen zu, mehr als 13.000 von ihnen mussten in Kliniken behandelt werden. Bislang wurde im Zusammenhang mit dem Skandal 27 Personen festgenommen. Die Behörden prüfen auch in Deutschland, ob verseuchte Milch in den Handel gelangt sein könnte.

Die Eltern eines erkrankten Babys in der chinesischen Provinz Henan reichten Klage gegen den Milchpulver-Hersteller Sanlu ein. Das chinesische Wirtschaftsmagazin "Caijing" berichtete, die Eltern des einjährigen Kindes, das Nierensteine bekommen habe, forderten umgerechnet 22.000 Dollar Entschädigung von dem Konzern. Es sei die erste Zivilklage in dem Skandal.

In den Niederlanden wurden in importierten Keksen aus China bereits geringe Spuren von Melamin gefunden, wie die Lebensmittelkontrollbehörde in Amsterdam mitteilte. Die beanstandeten Produkte der Marke "Koala" seien aus den Regalen genommen worden. Auch in Australien wurden "Koala"-Kekse vom Markt genommen - wie auch schon in den chinesischen Sonderzonen Hongkong und Macau. Zuvor waren in Australien bereits Bonbons wegen Melamin-Bestandteilen konfisziert worden. Aus demselben Grund rief das britische Unternehmen Cadbury am vergangenen Montag eine seiner Schokoladensorten zurück.

Quelle: afp

 
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