Gericht rügt Kachelmanns Anwalt: Verteidigung findet Staatsanwälte "verdächtig"
zuletzt aktualisiert: 10.12.2010 - 19:33Mannheim (RPO). Staatsanwaltschaft und Verteidigung im Prozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann haben sich am Freitag erneut einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Rechtsanwalt Johann Schwenn warf der Staatsanwaltschaft Kontakte zur Presse der Hubert-Burda-Media vor, die den Prozess gezielt zuungunsten Kachelmanns beeinflusse.
Wörtlich sagte Schwenn vor dem Landgericht Mannheim an die Adresse des Oberstaatsanwalts und des Staatsanwalts, "die beiden Herren sind um einiges verdächtiger als Herr Kachelmann". Er kündigte hierzu auch noch Beweisanträge an. Als Schwenn dann auch noch die Berufsrichterin wegen ihrer ablehnenden Gesten während seiner Ausführungen kritisierte, rügte der Vorsitzende Richter Michael Seidling das Verhalten Schwenns als "unangemessen und anmaßend".
Oberstaatsanwalt Oskar Gattner trat dem Vorwurf von Kontakten zum Burda-Verlag entgegen. Er habe mit der im Gerichtssaal anwesenden Reporterin der "Bunten" erstmals vor einer Woche gesprochen. Dem Vorsitzenden gelang es am Freitag erst nach einiger Zeit, wieder Ruhe in die mündliche Verhandlung zu bringen.
Kachelmann muss sich seit 6. September wegen Vergewaltigung seiner langjährigen Freundin in Schwetzingen verantworten. Der 52-Jährige bestreitet die Tat, schweigt aber vor Gericht.
Ex-Geliebte soll Aussagen
Anlass der heftigen Attacken der Verteidigung gegen die Hubert Burda Media ist ein am Montag erschienener Bericht des "Focus". Eine über das Handy Kachelmanns herausgefundene Ex-Geliebte in der Schweiz habe der Staatsanwaltschaft telefonisch von gewaltsamen sexuellen Übergriffen durch Kachelmann berichtet. Diese hätten sich am 17. Januar wenige Wochen vor der angeblichen Vergewaltigung ereignet. Die Schweizerin lehnt ein Erscheinen vor dem deutschen Gericht ab. Die Staatsanwaltschaft will die Frau nun im Wege der Rechtshilfe vernehmen lassen. Dem trat Verteidiger Schwenn entschieden entgegen. Die Zeugin müsse als "unerreichbar" eingestuft werden.
Der Chef von Hubert Burda Media arbeitet nach Meinung der Verteidigung schon länger gegen Kachelmann. Hubert Burda könne auch beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) für den Stopp einer Show mit Kachelmann im Jahr 2009 gesorgt haben, vermutete die Verteidigung. Der als Zeuge geladene MDR-Fernsehdirektor Wolfgang Dietze sagte in Mannheim aus, er habe eine Live-Sendung mit Kachelmann wegen der häufigen Terminschwierigkeiten beendet. Gleichzeitig habe er sich aber um ein neues Sendeformat mit ihm bemüht. Eine Einflussnahme des Intendanten habe es nicht gegeben.
Über den von der Verteidigung gestellten Antrag zur Durchsuchung bei Burda wurde noch nicht entschieden. Auch der Befangenheitsantrag Schwenns gegen die Bremer Professorin und Aussagepsychologin Luise Greuel ist noch offen. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.
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