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Bombenfunde in Dortmund und Koblenz: "Verwirrter Einzeltäter" im Visier

zuletzt aktualisiert: 03.08.2006 - 08:07

Dortmund (rpo). Nach den Bombenfunden in Dortmund und Koblenz ermittelt die Polizei weiter auf Hochtouren. Experten gehen mittlerweile von der Tat eines "verwirrten Einzeltäters" aus. Unionspolitiker fordern verstärkte Videoüberwachungen und Kontrollen. In Hamburg sorgte gestern Abend erneut ein herrenloser Koffer für Aufregung.

Verwirrter Einzeltäter? In Koblenz (Bild) und Dortmund wurden Bomben gefunden.  Foto: ddp, ddp
Verwirrter Einzeltäter? In Koblenz (Bild) und Dortmund wurden Bomben gefunden. Foto: ddp, ddp

CDU-Innenexperte Clemens Binninger sprach sich im Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagausgabe) für eine durchgängige Videoüberwachung mit Aufzeichnung auf Bahnhöfen aus. Dies sei "sinnvoll und rechtlich möglich". "Wir müssen die Schwelle zur Abschreckung möglicher Täter erhöhen", erklärte Binninger.

Auch CSU-Innenexperte Stephan Mayer sprach sich für Videoüberwachungen in den Zügen aus. "Das erhöht die Sicherheit und trägt zur Abschreckung bei." Was in Madrid und London geschehen sei, könne auch in München oder Berlin passieren, sagte Mayer mit Blick auf die Terroranschläge in den beiden europäischen Hauptstädten. Im Rahmen der Terrorismusbekämpfung müsse auch darüber nachgedacht werden, Bahnreisende künftig stärker zu kontrollieren.

Der CSU-Bundestagsabgeordnete Norbert Geis forderte für Bahnreisen ähnliche Sicherheitskontrollen wie bei Flugreisen. Ähnlich wie auf den Flughäfen müssten auch auf Bahnhöfen Passagiere und Gepäck durchleuchtet werden. "Wir können es nicht darauf ankommen lassen, dass die erste Bombe in einem ICE explodiert", sagte er der Zeitung. Geis appellierte an das Bundesinnenministerium, mit der Bahn Gespräche über die Verbesserung von Sicherheitsmaßnahmen zu führen.

"Verwirrter Einzeltäter" immer wahrscheinlicher 

Experten bezweifen, dass die Tat einen terroristischen Hintergrund hat. Die Tat eines geistig verwirrten Einzelgängers wird immer wahrscheinlicher.  Die beiden Bombenkoffer sind nach Ansicht des Terrorismusforschers Kai Hirschmann nicht von professionellen Terroristen deponiert worden. "Die Vorgehensweise und die Machart der Bomben deuten auf einen semiprofessionellen Hintergrund hin", sagte der Terrorismusexperte vom Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik am Mittwoch. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Bombenfunden sei aber sehr wahrscheinlich.

Die Tatsachen, dass kein professioneller Sprengstoff verwendet wurde und dass die Koffer nicht versteckt waren, wertet Hirschmann als Indizien für einen Hobbybastler. Auch sei wohl nicht versucht worden, die Bomben tatsächlich zu zünden. "Herrenlose Koffer von der Größe fallen auf und werden schnell entdeckt", sagte Hirschmann. Das deute daraufhin, dass weniger ein Zerstörungs- als vielmehr ein Schockeffekt beabsichtigt gewesen sei.

Politische Terrororganisationen zeichneten sich durch gezieltere Vorgehensweisen und professionellere Sprengsätze aus, sagte Hirschmann. So würden kleinere Sprengsätze eingesetzt und möglichst vor ihrer Entdeckung gezündet. Er gehe davon aus, dass es sich eher um einen verwirrten Einzeltäter handele. Erpressung, Rache an der Bahn oder Streben nach Aufmerksamkeit, nannte Hirschmann als mögliche Motive. "Das ist bisher aber noch alles Spekulation, da es noch keine Bekennung gibt", sagte Hirschmann.

Entwarnung nach Kofferfund in Hamburg

Nach dem Fund eines herrenlosen Koffers vor einem Hamburger Bahnhof wurde am Mittwoch der Zugverkehr in Hamburg für mehr als eine Sunde unterbrochen. Die Polizei gab am Abend Entwarnung, nachdem Experten das Gepäckstück geöffnet hatten: Der Koffer enthielt keine Bombe, sondern einen Laptop.

Quelle: ap

 
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