Mieses Wetter: Viele Freibäder werfen das Handtuch
zuletzt aktualisiert: 15.08.2005 - 09:00Frankfurt/Main (rpo). Das derzeit katastrophale Wetter schlägt nicht nur Eisdielen- und Biergartenbetreibern mächtig aufs Gemüt. Angesichts der gegenwärtigen Kühleperiode beenden einige Freibäder bereits Mitte August ihre Saison. In Düsseldorf und Köln hingegen bleiben die Bademeister tapfer.
Trotz allem bleibt der Sommer 2005 nicht durchweg in trüber Erinnerung. Das Wetter im Juni sei "gar nicht so schlecht" gewesen, und in den ersten beiden Juli-Wochen hätten hochsommerliche Temperaturen geherrscht, konstatierte Joachim Heuser vom Bundesfachverband öffentlicher Bäder in Essen.
Einen "durchschnittlichen Sommer" für ihre Freibäder registrierten die Stadtwerke München. "Der Mai und der Juni waren gut, Juli und August haben uns bisher enttäuscht" sagte Bäderchefin Katja Gieseking. Der Schaden sei aber nicht dramatisch, weil die Münchner Hallenbäder im Sommer nicht geschlossen seien und die Badegäste damit eine Ausweichmöglichkeit hätten. Einen Monat seien die Freibäder noch geöffnet, und man hoffe auf besseres Wetter, sagte Gieseking. "Wir sind optimistisch."
In Düsseldorf und Köln zeigt man sich ebenfalls standhaft. Es wäre unsinnig die Bäder jetzt zu schließen, da die Saison noch kommen könne, sagte Geschäftsführer Rüdiger Steinmetz von der Düsseldorfer Bädergesellschaft. Bisher zählte man 273.000 Besucher in den Freibädern. Noch rechnet Steinmetz damit, das Saisonziel von 400.000 erreichen zu können. Dazu sei aber ein echter Wetterumschwung vonnöten. Er hofft, dass es Mitte der Woche soweit sein werde.
Düsseldorfer Bäder wollen durchhalten
Bei gutem Wetter haben die Düsseldorfer Freibäder bis in den September geöffnet. Auch die Kölner Freibäder sind bis Mitte September betriebsbereit. Lediglich die Öffnungszeiten könnten wetterabhängig variieren, sagte Achim Fischer, Marketingleiter der Kölnbädergesellschaft.
In Wiesbaden sei die Freibadsaison zunächst zufrieden stellend gelaufen, jedoch habe es in den letzten 14 Tagen einen Einbruch gegeben, sagte Stadt-Sprecher Siggi Schneider. Wenn noch etwa zwei Wochen schönes Wetter herrschen würde, könnten die Planzahlen erreicht werden. Es gebe keine Überlegungen, die Hallenbäder früher zu öffnen. Wiesbaden verfügt über ein kombiniertes Frei- und Hallenbad, das auch im Sommer komplett genutzt werden kann.
Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) wollten am Montag über eine mögliche vorzeitige Schließung der Freibäder entscheiden. Im Gegenzug könnten Hallenbäder frühzeitig geöffnet werden, hieß es. BBB-Vorstand Michael Schenk wurde von der "Berliner Zeitung'" mit der Klage zitiert: "So einen schlechten Sommer hatten wir noch nie." Statt geplanter 2,1 Millionen Euro hätten die BBB im Juli nur 1,35 Millionen Euro eingenommen.
In Hamburg sind des Wetters wegen fünf Freibäder geschlossen, wie die Bäderland Hamburg GmbH berichtete. Sie betreibt 26 Hallen- und Freibäder. "Alles geöffnet", hieß es dagegen in Kiel und Lübeck. Allerdings ist in dieser Saison in Kiel erstmals ein Hallenbad durchgängig geöffnet und verzeichnet laut Stadtsprecher Arne Gloy "hervorragende Besucherzahlen". Auch das überdachte Erlebnisbad in Scharbeutz an der Ostsee meldet Rekorde. An Spitzentagen kommen durchschnittlich 2.400 Menschen, an einem trüben Juli-Tag waren es 3.600.
"Noch nicht ganz verzweifelt"
In Leipzig wurden Anfang letzter Woche alle Bäder wegen Besuchermangels vorübergehend geschlossen. Nach Angaben von Joachim Helwing von der Sportbäder Leipzig GmbH wurden im Gegenzug die Öffnungszeiten einiger Hallenbäder ausgeweitet. In die Freibäder kamen bisher 106.000 Besucher, letztes Jahr waren es 110.000, im Supersommer 2003 über 200.000.
Auch in Dresden machten einige Bäder vorübergehend zu. "Bei den Besucherzahlen gibt es eine Berg- und Talfahrt", berichtete Jörn Verleger vom Sportstätten- und Bäderamt. In der vorletzten Juli-Woche habe man etwa 8.800 Badegäste registriert, in der letzten Juli-Woche über 31.000, im August bisher erst 6.600. Insgesamt rechne man mit rund 120.000 in diesem Sommer.
Trotz Wassertemperaturen von nur 17 Grad Celsius bleiben die drei Freibäder der Stadt Magdeburg für hart gesottene Schwimmer geöffnet, wie Axel Meinhold von der Bäderverwaltung sagte. Schließlich könne in den beiden Strandbädern der Stadt am Barleber See und am Neustädter See auch noch an Weihnachten gebadet werden, da beide nicht eingezäunt seien. Wer es wärmer mag, kann in die Elbe-Schwimmhalle gehen, deren Wintersaison am vergangenen Dienstag um gut zwei Wochen vorfristig eingeläutet wurde. Die anderen beiden Hallenbäder der Stadt sollen planmäßig am 1. September wieder öffnen.
"Es könnte besser sein, aber wir hatten es auch schon schlimmer", sagte die Sprecherin der Erfurter Stadtwerke, Sabine Hölterhoff. Im vergangenen Jahr sei die Lage noch schwieriger gewesen. "Wir sind noch nicht ganz verzweifelt."
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