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Neue Studie zum Thema Integration: Viele Türken fühlen sich bei uns unerwünscht

zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 15:20

Berlin (RPO). Fast die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken fühlt sich unerwünscht und fest den Werten ihrer alten Heimat verbunden. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie zum Thema Integration. Die Macher der Erhebung fordern daher ein Umdenken. Der Begriff Zuwanderer sei irreführend. Bei den in Deutschland lebenden Türken handele es sich um eine ethnische Minderheit.

45 Prozent der Befragten sagten in der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage, sie fühlten sich in Deutschland unerwünscht. 42 Prozent wollen in die Türkei zurückkehren, wenn auch nicht sofort. 82 Prozent von ihnen sagten, die deutsche Gesellschaft sollte stärker auf Gewohnheiten und Besonderheiten der türkischen Einwanderer Rücksicht nehmen.

Die Ergebnisse stellten die zusammen gehörenden Forschungsinstitute Info und Liljeberg Research in Berlin vor. Befragt wurden insgesamt 1000 Personen - jeweils ein Drittel davon Deutsche, in Deutschland lebende Türken und Türken in der Türkei. Insgesamt leben hier 2,7 Millionen türkischstämmige Migranten, 30 Prozent davon mit deutschem Pass.

"Ein Leben zwischen den Welten"

Von dieser Gruppe sagten in der Umfrage 62 Prozent, sie fühlten sich hier als Türken und in der Türkei als Deutsche. Diese Zahlen sprächen für ein "Empfinden eines Lebens zwischen den Welten", schlossen die Autoren.

"Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Türken in Deutschland eine Volksgruppe sind, die fest zu ihren kulturellen und religiösen Wurzeln und den türkischen Wertewelten steht", erklärte Holger Liljeberg, Geschäftsführer von Info und von Liljeberg Research. Die Studie sei als Denkanstoß gedacht, um die Integration zu verbessern. Bei den Zuwanderern handele es sich inzwischen wohl eher um eine ethnische Minderheit.

Straßenszene in Berlin-Friedrichshain. Ein Experte spricht von einer ethnischen Minderheit. Foto: ddp

"In der Öffentlichkeit wird Integration verlangt, aber Assimilation gemeint", analysierte Liljeberg. "Diese ist aber innerhalb der nächsten Generationen nicht zu erwarten." Zu stark seien die Bindung an Familie und Mutterland. Kulturelle und religiöse Überzeugungen würden dadurch reproduziert.

Tiefe Kluft bei den Wertvorstellungen

Auch bei ihren Wertvorstellungen stehen die hier lebenden Türken oft zwischen den beiden Kulturen, teils sind in ihrer Meinung näher an den Türken in der alten Heimat als an den Deutschen, wie es weiter hieß. So sagten nur neun Prozent der Deutschen, dass Kindererziehung Frauensache sei. Unter den türkischen Migranten waren es 32 Prozent, unter den Türken in der Türkei 52 Prozent.

Ein Zusammenleben von Mann und Frau vor der Ehe lehnen acht Prozent der Deutschen ab, aber 47 Prozent der Türken in Deutschland und 67 Prozent der Türken in der Türkei. Beim vorehelichen Sex der Frau sind es den Angaben zufolge sieben Prozent der Deutschen, 56 Prozent der Türken in Deutschland und 84 Prozent der Türken in der Türkei. Vor wichtigen Entscheidungen fragen 66 Prozent der Deutschen die Familie um Rat, aber 84 Prozent der Türken in Deutschland und 88 Prozent der Türken in der Türkei.

Wie die Autoren weiter berichteten, fänden es 28 Prozent der Deutschen unangenehm, wenn ein gläubiger Moslem in ihre Familie einheiraten würde. Dagegen fänden es 40 Prozent der türkischen Migranten und 63 Prozent der Türken in der Türkei unangenehm, einen gläubigen Christen in die Familie aufnehmen zu müssen.

Von den befragten Deutschen sagten 62 Prozent, die Gesellschaft sei zu tolerant gegenüber Kriminellen. Unter den türkischen Migranten waren es jedoch 76 Prozent, unter den Türken in der Türkei 74 Prozent. Dass man anderen Menschen grundsätzlich nicht vertrauen könne, sagten 81 Prozent der Türken in Deutschland und 87 Prozent der Türken in der Türkei, aber nur 58 Prozent der Deutschen.

Quelle: AP/csr

 
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