Nach dem Ausbruch aus der JVA Aachen: Vollzugsbeamte sind sauer
VON DANA SCHÜLBE - zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 12:36Düsseldorf (RPO). Seit dem Ausbruch der beiden Schwerverbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalksi aus der JVA Aachen hagelt es Kritik an Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter. Jetzt machen auch die Mitarbeiter des Gefängnisses ihrem Unmut Luft.
Der Ausbruch hätte verhindert werden können, "wenn das Personal nicht so besetzt gewesen wäre, wie es besetzt gewesen ist", sagt ein langjähriger Vollzugsbeamter dem WDR. Wer die Anstalt von Außen sichere, hätte demnach eigentlich keinen Kontakt zu den Gefangenen haben dürfen und keine Schlüssel zu den Zellen, heißt es weiter.
Kurze Zeit nach dem Ausbruch war ein Mitarbeiter der JVA festgenommen worden, weil er unter dem Verdacht steht, den Schwerverbrechern geholfen zu haben. Das Pikante daran: Der Mitarbeiter saß zum Zeitpunkt der Flucht allein an der Pforte - eine Folge der Personalsituation.
Schon der Abschlussbericht der Werthebach-Kommission von 2008 kommt zu dem Schluss, dass in der Aachener Justizvollzugsanstalt in den vergangenen Jahren ein drastischer Personalabbau erfolgt und dieser auch weiterhin zu erwarten sei. Dass sich das negativ auf die Arbeit in dem Gefängnis auswirkt, bestätigt auch der Vollzugsbeamte in dem Bericht: Wenn man zu zweit Schicht schiebe, dann schaue der eine auf den anderen, ob keine zu unangemessene Nähe zu den Gefangenen hergestellt wird. Allein aber gebe es da keinen Ansprechpartner.
Die Stimmung unter den Bediensteten jedenfalls sei schlecht, erst recht, nachdem die Ermittlungen gegen den in Untersuchungshaft sitzenden Mitarbeiter bekannt worden waren. Gegen den Mann wird wegen Bestechlichkeit ermittelt, weil er Geld von der Frau eines Gefangenen angenommen haben soll. "Wir waren entsetzt, dass keine Maßnahmen ergriffen worden sind", sagt der Vollzugsbeamte in dem Interview. Der Mann hätte aus diesen Gründen nicht allein an der Pforte sitzen dürfen.
Das Justizministerium verweist laut WDR darauf, dass aufgrund von Beschwerden des Personalrates fünf neue Stellen geschaffen worden sind. Der Vollzugsbeamte jedoch weiß, dass diese ein halbes Jahr eingearbeitet werden müssen. Sie liefen mit einem anderen Beamten mit - eine weitere Aufgabe für die ohnehin schon überlasteten Mitarbeiter.
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