Rolle als Anwalt "Dr. Renz" machte ihn zum Star: Vor fünf Jahren starb Günther Strack
zuletzt aktualisiert: 19.01.2004 - 09:50Düsseldorf (rpo). Lebemann, Genießer und Hesse mit "Leib und Seele" – so der Titel einer seiner größten Serienerfolge - sind wohl die Schlagwörter, die den Schauspieler Günther Strack am besten beschreiben. Zitate wie "Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Braten sehen!" beschreiben ganz gut das Credo des beliebten Volksschauspielers: Leben, um zu leben!
Am 4. Juni 1929 wird er in Darmstadt geboren. Seiner Heimatstadt wird er ein Leben lang treu bleiben, obwohl er im Zuge seines Studiums an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart kurzerhand seinen Standort von Hessen ins Schwabenland verlegt. Dann ging es los mit der Theater-, Film- und Fernsehkarriere. Bereits 1949 gab er in Oberhausen als Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe" sein Bühnendebüt. Drei Jahre danach wechselte er ans Landestheater in Darmstadt, zu seinen weiteren Bühnenstationen zählen Wiesbaden, Stuttgart und Hannover.
Er spielte alle großen Stücke, von Kleists "Der zerbrochene Krug" bis "Volpone" von Ben Johnson. Danach arbeitete er nur noch sporadisch auf den Brettern, die die Welt bedeutet und startete seine zweite schauspielerische Karriere: 1961 war er im Kino in Bernhard Wickis "Das Wunder des Malachias" einem breiterem Publikum bekannt geworden, bevor ihm dann im Heinz Rühmann – Klassiker "Maigret und sein größter Fall" der endgültige Kinodurchbruch gelang. Seine große Liebe galt aber wohl dem Fernsehen – neben Rollen in zahlreichen Fernsehspielen wie dem Tatort oder "Alle Jahre wieder: Die Familie Semmeling" waren es vor allem die Serien, die Günther Stracks Namen berühmt machten.
Seine hessische Heimat zieht sich hier wie ein roter Faden durch den TV-Lebenslauf. Denn schon in seinem ersten Dauerbrenner "Ein Fall für Zwei", die ihm auch Jahre nach seinem Ausstieg immerhin die Auszeichnung als "zweitbeliebtester TV-Anwalt" einbrachte, kehrte er nach Frankfurt zurück, um den Rechtsanwalt Dr. Renz zu verkörpern. Die Familienserie "Diese Drombuschs" spielt – wen wundert's – in Darmstadt. Hier macht Strack durch seine Rolle als liebenswürdiger und oft auch kauziger "Onkel Ludwig" von sich reden.
Seine Paraderolle scheint er aber erst 1989 zu finden: als lebenslustiger Eberfelder Pfarrer Adam Kempfert brilliert er in "Mit Leib und Seele". Danach entdeckte ihn das Privatfernsehen für sich: In der Sat.1 Serie "Der König" verkörpert er mit dem Kriminalbeamten und Weinbergebesitzer die zwei Rollen, die sein Leben maßgeblich ausmachen: die des Genießers und des passionierten Arbeiters. 1996 spielte der Star in Dieter Wedels fünfteiligen Kriminaldrama "Der Schattenmann" den Dr. Hans Möllbach und zuletzt stand er 1998 als Justizsenator in Hartmut Griesmayrs "Honigfalle – Verliebt in die Gefahr" neben Agnieszka Wagner und Hannes Jaenicke vor der Kamera. Auch in mehreren Episoden der "Hessischen Geschichten" wirkte er mit.
Stimme von Obelix
Insgesamt spielte er in seiner Laufbahn über 400 Rollen. Darunter auch mehrere Sprechrollen in den Zeichentrickverfilmungen der Asterix-Comics – er lieh dem von der Statur ähnlich aufgebauten Obelix seine Stimme. Günter Strack war bekannt für seinen Humor, seine Bescheidenheit und seine positive Einstellung zum Leben; er liebte den Wein und - unübersehbar – das gute Essen. Dafür erlangte er zweifelhafte Ehre in einem Lied des Ex-Samstag-Nacht-Duos "Die Doofen", die sich über die Leibesfülle des Darmstädters ausließen.
Privat war er seit den 50-er Jahren mit Lore verheiratet. Seine beiden Kinder Michael und Susanne stammen aus dieser Ehe. 1997 erlitt Strack einen Schlaganfall, und lag fast drei Wochen im künstlichen Koma. Nachdem er sich von diesem gesundheitlichem Schlag erholt hatte, erlag er am 18. Januar 1999 überraschend einem Herzversagen. Seine Erinnerungen veröffentlichte der Schauspieler 1996 unter dem Titel "Das Leben positiv gestalten. Ein Stück vom Glück" und sagt darin über sich "Ich glaube, ich zähle zu den glücklichen Menschen. Meine Familie, mein Beruf, das Leben überhaupt und der Wein – alles ist gut. Davon will ich erzählen, auch von Traurigem – ohne Leid wüsste man die schönen Tage nicht zu schätzen!"
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