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Missbrauchsskandal
Vorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch

Chronik zum Missbrauch an Jesuitenschulen
Chronik zum Missbrauch an Jesuitenschulen FOTO: APN
Mainz/Freiburg (RPO). Nun gerät ein hochrangiges Mitglied der katholischen Kirche in Deutschland unter Verdacht: Ein Opfer sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Freiburg in den 80er- und 90er-Jahren erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Unterdessen hat das Erzbistum Freiburg die Vorwürfe dementiert.

Dieser soll als damaliger Personalreferent im Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg den Verdacht auf schweren sexuellen Missbrauch durch einen Pfarrer in der Gemeinde Oberharmersbach im Ortenaukreis "vertuscht und verdeckt" haben, berichtet das ARD-Politikmagazin "Report Mainz". Die Sendung wird am 22. März um 21.45 Uhr in der ARD ausgestrahlt.

Nach Recherchen des Magazins wurde der Pfarrer Franz B. unter Mitwirkung von Zollitsch 1991 zwar in den Ruhestand versetzt. Die Staatsanwaltschaft sei allerdings erst 1995 tätig geworden, als ein Betroffener Anzeige erstattet habe.

Dem Bericht zufolge missbrauchte der Pfarrer Franz B. im Zeitraum zwischen 1968 und 1991 mindestens 17 Kinder und Jugendliche, vor allem Messdiener. Das Opfer berichte vor der Kamera, der Missbrauch habe mit Berührungen, Umarmungen und Küssen angefangen. Dann sei es immer schlimmer geworden. Er sei zwischen seinem 11. und 17. Lebensjahr missbraucht worden, berichte der heute 38-Jährige weiter: "Das war zum Teil Hardcore-Sex."

Nach Recherchen des Senders schaltete sich das Erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg im April 1991 ein, als es Hinweise und Gerüchte gegeben habe. Der damalige Personalreferent Zollitsch soll den Pfarrer persönlich mit Vorwürfen konfrontiert haben, die dieser bestritt.

Franz B. sei dennoch in den Ruhestand versetzt worden, mit der Auflage, sich jeglichen Kontaktes zu Kindern und Jugendlichen zu enthalten.

Über die Vorgänge sei die Gemeinde allerdings erst 1995 informiert worden, nachdem sich der Pfarrer im August 1995 aufgrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen das Leben genommen habe.

Erzbistum weist Vertuschungsvorwürfe gegen Zollitsch zurück

Das Erzbistum Freiburg hat Vertuschungsvorwürfe gegen Erzbischof Robert Zollitsch im Zusammenhang mit Fällen sexuellen Missbrauchs zurückgewiesen. Die Anschuldigungen seien mit Blick auf die Fakten haltlos, sagte Sprecher Robert Eberle am Freitag der Katholischen Nachrichten-Agentur.

Eberle wies die Vorwürfe zurück. Das Gegenteil sei der Fall. Die Verantwortlichen des Erzbistums hätten konsequent und umgehend gehandelt. Auch der Freiburger Generalvikar Fridolin Keck wandte sich gegen den Vorwurf der Vertuschung gegen das Erzbistum. Wer dies suggeriere, nehme die Fakten nicht zur Kenntnis und surfe nur auf der "aktuellen Kirchen-Kritik-Trendwelle", teilte er mit.

Nach "Gerüchten über unsittlichen Kontakt zu Kindern" sei der betreffende Ortspfarrer von Oberharmersbach bei Offenburg 1991 in den Ruhestand versetzt worden, erklärte Keck. Diese Gerüchte hätten sich zunächst nicht erhärten lassen. Bei weiteren Recherchen des Erzbistums hätten sich dann jedoch 1995 insgesamt 17 Opfer gemeldet, so der Generalvikar.

Als die Kirchenleitung dem Geistlichen daraufhin das Einschalten der Staatsanwaltschaft ankündigte, so Keck, habe der Pfarrer Suizid begangen. Die Kirche habe rasch und transparent gehandelt, so der Sprecher. Der Fall sei nicht geeignet, von Vertuschung zu reden.

Keck verwies darauf, dass das Bistum den Opfern damals therapeutische Hilfen angeboten habe. Falls die Betroffenen nun unter den wiederaufkommenden Erinnerungen der Vorfälle litten, werde die Kirche "erneut gezielte Hilfsangebote" machen.

(DDP/felt)
 
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