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Kommune in der Nähe von Leipzig wieder Opfer des Hochwassers
Warum Grimma noch immer keine Schutzwand hat

Elbe ist das nächste Sorgenkind: Die Hochwasserlage am Dienstag
Elbe ist das nächste Sorgenkind: Die Hochwasserlage am Dienstag FOTO: dpa, woi vfd
Grimma/Eilenburg. Die Bilder aus Grimma erinnern an 2002. Wie damals ist die Altstadt der sächsischen Kommune überflutet. Die Maßnahmen zum Hochwasserschutz wurden noch nicht vollständig umgesetzt – auch, weil es Proteste von Bürgerinitiativen gab. Grimma ist nur ein Beispiel für solche Proteste. Ganz anders lief es nach 2002 dagegen in der sächsischen Stadt Eilenburg. Von Dana Schülbe

Die Altstadt von Grimma ist komplett abgeriegelt, keiner darf mehr hinein. Bürgermeister Matthias Berger ließ den historischen Stadtkern evakuieren. Wieder einmal. Denn schon 2002 war die sächsische Kleinstadt nahe Leipzig massiv vom Hochwasser betroffen, es entstand ein Schaden in Milliardenhöhe. Die Bürger kämpften für ihre Stadt an der Mulde, bauten sie wieder auf, gedachten jedes Jahr mit einem Lichterfest der Opfer und Schäden durch das Hochwasser. Doch nun sehen viele Einwohner ihre Arbeit wieder in den Fluten versinken.

Denn in Grimma sind noch nicht alle geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen realisiert worden. Ein Grund dafür: Proteste und Klagen von Anwohnern und Bürgerinitiativen. "Wir haben in Grimma zwei kräftige Bürgerinitiativen, die uns bekämpft haben oder gegen das gekämpft haben, was wir umsetzen wollten. Das war nicht einfach", sagte Axel Bobbe von der Talsperrenverwaltung Sachsen den ARD-"Tagesthemen". Er beklage, dass es zu wenig Solidarität in Deutschland gebe, wenn es um den Hochwasserschutz gehe. Privatinteressen gingen häufig vor allgemeinen Notwendigkeiten.

Entwertung des historischen Stadtbildes befürchtet

Auch der sächsische Umweltminister Frank Kupfer (CDU) hatte in der Vergangenheit im Landtag eine fehlende Mitwirkung von Bürgern beklagt. Immer mehr Forderungen in den Genehmigungsverfahren würden die Schutzmaßnahmen in die Länge ziehen und immer weiter verteuern, zitierte die "Leipziger Volkszeitung" im vergangenen Juli den Minister. Damals sagte Kupfer auch, dass dort, wo Bürgerinitiativen die geplanten Schutzmaßnahmen blockierten, auch nicht mehr gebaut werde. Allerdings müssten dann auch die Verantwortlichen klar benannt werden.

In Grimma selbst ging es den Protestierenden auch um das historische Stadtbild, dass durch die Schutzmaßnahmen verschandelt werden könnte. Der Naturschutzverband Sachsen hat auf seine Webseite eine Zusammenfassung gestellt, die zeigt, um was es der "Bürgerinitiative für den Wiederaufbau der Pöppelmannbrücke und einen wirksamen Hochwasserschutz für die Stadt Grimma" damals ging.

Dort heißt es, dass die Schutzmaßnahmen von den Grimmaer Bürgern kontrovers diskutiert worden seien. Viele Bürger, das hätten zwei Unterschriftenmaßnahmen ergeben, seien mit den geplanten Maßnahmen nicht einverstanden gewesen. "Sie befürchteten eine Entwertung des historischen Stadtbildes, ein Abschneiden der Stadt von dem sie prägenden Fluss und Auswirkungen auf Grund- und Oberflächenwasser, da eine natürliche Entwässerung bei höheren Wasserständen der Mulde nicht möglich ist", heißt es auf der Webseite.

Grund dafür war etwa eine vier Meter hohe Beton-Hochwasserschutzmauer, die geplant war, und dass die steinerne Pöppelmann-Brücke nicht in historischer Form wieder aufgebaut werden sollte, sondern einen stählernen Brückenbogen erhielt – auch weil die Stauwirkung der Steinbrücke als eine wesentliche Ursache für die Überschwemmungen gesehen worden war.

Auch in anderen Regionen Proteste

Doch nicht nur Grimma hatte mit solchen Problemen zu kämpfen. Auch in anderen Städten hatten Bürger gegen Schutzmaßnahmen protestiert. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt, hatte etwa im bayerischen Landkreis Donauwörth eine Bürgerinitiative versucht, die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten und die Rückverlegung von Deichen zu verhindern. In Wilkau-Haßlau im Erzgebirge waren Anwohner vor Gericht gezogen, der Bau einer Flutschutzmauer habe sich so um ein Jahr verzögert. Und so seien erst 2,5 Kilometer von insgesamt acht fertig. Der Stadtteil, der noch nicht gesichert sei, trage auch diesmal massive Schäden davon.

Dass es auch anders geht, zeigt die sächsische Kleinstadt Eilenburg, nur 25 Kilometer von Grimma entfernt. Noch ist die Stadt trocken – auch dank der neuen Schutzmauer. Wie die "Tagesschau" berichtet, habe die Stadt und ihr Bürgermeister Hubertus Wacker schon früh erkannt, dass die Stadt bei Hochwasser ein Problem habe. "Wir haben unsere Probleme schon Ende der 90er Jahre erkannt", sagte Wacker der Sendung.

Dadurch habe die Stadt einen recht großen Planungsvorlauf gehabt, so der Bürgermeister. Nachdem Eilenburg bei der Flut 2002 massiv im Kern überschwemmt wurde, habe der Bürgermeister keine Probleme gehabt, die Bürger von dem Vorhaben zu überzeugen. Und das scheint sich in diesen Tagen auszuzahlen.

(das/csi/felt/jco)
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