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OP-Fehler: Was im Körper vergessen wird

VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 25.07.2007

Düsseldorf (RP). Zehn Monate lang lebte ein Patient aus Radolfzell mit einem 30 Zentimeter langen Spatel in seinem Bauchraum. Der Chefarzt der dortigen Klinik versuchte damals, den Vorfall zu vertuschen. Er ließ den Patienten im Unklaren – und tauschte nach der erfolgreichen Entnahme des Instruments sogar die Röntgenbilder aus. Die Geschichte flog trotzdem auf – und schlug hohe Wogen. Der behandelnde Arzt musste aber nicht seinen Hut nehmen, sondern bekam nur eine Abmahnung.

Dabei passiert es relativ häufig, dass nach Operationen Fremdkörper in Patienten zurückbleiben. Amerikanische Versicherer gehen von einer Quote von 1:1500 aus – das heißt, auf 1500 gelungene Operationen kommt eine, bei der etwas im Körper vergessen wird. „In deutschen Kliniken liegen wir deutlich darunter“, sagt Klaus Schönleben, Ex-Chefarzt der Chirurgischen Klinik Ludwigshafen und Autor eines wissenschaftlichen Aufsatzes zum Thema „Belassene Fremdkörper“.

Laut Schönleben werden trotz Zählkontrolle am häufigsten Bauchtücher und Kompressen (46 bis 69 Prozent) vergessen – im Durchschnitt bei 1:5000 bis 1:8000 Operationen. Danach folgen Instrumente und Teile elektrischer Geräte (30 Prozent, 1:8800 Operationen) sowie zu einem Prozent anderes wie Gummizügel oder Drainagen. Während metallene Fremdkörper durch bildgebende Verfahren wie Röntgen gut zu entdecken sind, ist das bei Tüchern und Kompressen schon schwieriger. Hier muss auch auf Computertomographie oder Ultraschall zurückgegriffen werden – wobei die Rate der Fehldiagnosen mit zeitlichem Abstand zur ersten Operation wächst.

Einmal diagnostiziert, sollte ein vergessener Fremdkörper auf jeden Fall nicht verschwiegen werden, wie in Radolfzell geschehen. Denn von lokalen Reaktionen über die Bildung von Abszessen oder Fisteln bis zur Embolie sind viele medizinische Komplikationen denkbar – laut Schönleben je nach Abhängigkeit vom Material, von der anatomischen Position und vom Allgemeinzustand des Patienten. Sogar Todesfälle sind möglich – Schönleben nennt einen plötzlichen Erstickungstod durch Einbruch eines Bauchtuchs ins Luftröhrensystem. Das Tuch war 23 Jahre vorher bei einem Eingriff vergessen worden.

„Auch mit Fehlern muss man daher offensiv umgehen“, sagt Dietrich Löhlein, Chefarzt der Chirurgischen Klinik Dortmund. „Der Patient muss das wissen, sonst droht ein noch größerer Vertrauensverlust.“ Und ein Fall wie in Radolfzell sei überhaupt nicht hinnehmbar, sogar kriminell, urteilt Schönleben. „Denn irgendwann kommt die Wahrheit ja doch raus.“

Quelle: RP

 
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