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Wirtschaftsprüfer sind empört: Was vertuschte Unicef?

zuletzt aktualisiert: 04.02.2008 - 11:57

Frankfurt/Main/Stuttgart (RPO). Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hat laut eines Presseberichts doch Unregelmäßigkeiten bei Unicef Deutschland aufgespürt. Die Hilforganisation hatte durch die KPMG dokumentierte Verstöße offenbar vertuscht. Die zurückgetretene Vorsitzende Heide Simonis kritisierte das Vorgehen der Organisation.

Heidi Simonis bekräftigt ihre Vorwürfe noch einmal  Foto: AP, AP
Heidi Simonis bekräftigt ihre Vorwürfe noch einmal Foto: AP, AP

Wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, habe Unicef fälschlicherweise verbreitet, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bei der Untersuchung von Verschwendungsvorwürfen gegen die Organisation keine Unregelmäßigkeiten festgestellt habe. Das schreibt das Blatt unter Berufung auf ein KPMG-Schreiben vom 14. Januar.

Der Leiter der für die Untersuchung von unlauteren Machenschaften zuständigen Forensic-Abteilung von KPMG Deutschland, Dieter John, schreibe darin, es sei in der Zusammenfassung "unserer Sonderuntersuchung sehr klar von Verstößen die Rede". Es bestehe "ein Widerspruch zwischen unseren Feststellungen und der Unicef-Presseerklärung".

Unicef solle die Erklärung "sofort aus dem Netz nehmen", forderte KPMG laut "FR" in dem Papier. Die beanstandete Erklärung war jedoch noch am Montag auf der Unicef-Internetseite zu lesen gewesen. KPMG wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

Der KPMG-Bericht zeige detailliert klare "Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip und Schriftform von Verträgen". Dies seien Verstöße gegen Regeln, die "unverzichtbar" seien, "damit man Abläufe nachvollziehen kann", sagte auch Simonis. Zum Stiftungsvermögen von 89,4 Millionen Euro sagte die ehemalige Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins: "Das muss stärker kontrolliert werden. Das darf nicht von einem alleine gemacht werden."

Die Vorwürfe wegen undurchsichtiger Beraterverträge und Verwendung von Spendengeldern richten sich vor allem gegen Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs, dem der Vorstand am Samstag auf einer Krisensitzung in Frankfurt am Main nach dem Rücktritt von Simonis erneut das volle Vertrauen ausgesprochen hatte. Gegen ihn ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Anfangsverdachts der Untreue.

Unicef Deutschland wies die Vorwürfe zurück. Der Vorstand habe am 14. Januar mit der Stimme von Simonis festgestellt, dass es laut KPMG "keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmäßigkeiten oder gar Satzungs- oder Gesetzesverstöße" gegeben habe, erklärte die Organisation am Montag in Köln. Die Vergabe von Aufträgen sei der Prüfung zufolge "stets unter nachvollziehbaren betrieblichen Rahmenbedingungen" erfolgt.

Der Übergangsvorsitzende des UNO-Kinderhilfswerks, Reinhard Schlagintweit, stellte sich derweil erneut hinter Unicef-Geschäftsführer Garlichs. Garlichs habe sicher "manches falsch beurteilt", aber er habe "nichts Unrechtes getan", sagte Schlagintweit am Montag im Deutschlandfunk. Ihm könne nichts "in Richtung Verschwendung und Unregelmäßigkeit" vorgeworfen werden. Ein Neuanfang mit Garlichs sei daher "absolut" möglich.

Der Gründer der Hilfsorganisationen Cap Anamur und Grünhelme, Rupert Neudeck, sagte den "Stuttgarter Nachrichten" (Montagausgabe): "Der Rücktritt von Heide Simonis ist nur die Fortschreibung des chaotischen Zustands bei Unicef. Die Führung weiß offenkundig nicht, wie die Basis denkt." Mit Entlastungen und Verschiebungen seines Führungspersonals werde das Hilfswerk seine Glaubwürdigkeit nicht wieder herstellen können.

Quelle: afp

 
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