Amokläufer von Winnenden: Was wir heute von Tim K. wissen
zuletzt aktualisiert: 12.03.2009 - 22:27Düsseldorf (RPO). Einen Tag nach dem Amoklauf von Winnenden wird das Profil des Täters Tim K. langsam schärfer. Menschen, die den 17-Jährigen kennen, haben mit einem derartigen Gewaltausbruch niemals gerechnet. Wer war Tim K.? Erkenntnisse über das Leben eines Jungen, der 15 Menschen und sich selbst tötete.
Sein Wesen: Tim wird von Lehrern und Bekannten als still, unauffällig und zurückgezogen beschrieben. Im vergangenen Jahr ließ er sich wegen Depressionen fünf mal ambulant in einer psychiatrischen Klinik behandeln. Ein Bekannter berichtet, Tim habe in den vergangenen erheblich an Gewicht zugenommen.
Tim als Schüler: Der Junge schloss die Realschule mit der Mittleren Reife ab. Anschließend begann er eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich. Er wird als mäßiger Schüler beschrieben. Tim habe stets hinten in der Klasse gesessen. Er habe über relativ viel Geld verfügt und damit angegeben. Dies missfiel vielen Klassenkameraden. Auch weil Tim angeblich noch nie eine Freundin hatte, nennen ihn seine Mitschüler "Riesenbaby".
Das Elternhaus: Tim kommt aus einem bürgerlichen Elternhaus. Sein Vater ist Geschäftsführer einer Firma für Lohnverpackungen. Zusammen mit seiner Mutter und einer jüngeren Schwester wohnt Tim im einem modernen Einfamilienhaus. Der Vater wird als dominant beschrieben und erscheint als wichtigste Bezugsperson für den Jungen. Beide betrieben auch gemeinsam Kraftsport. Tim soll vornehmlich seine Arme trainiert haben. Der Vater ist Mitglied im Schützenverein.
Seine Hobbys: Als Kind und Heranwachsender spielte Tim Tischtennis und gewann kleinere Turniere. Später begeisterte er sich für Kampfsport. Nach und nach zog er sich aus den Vereinen zurück, berichten Bekannte.
Tim und sein Computer: Seitdem verbrachte der Junge einen Großteil seiner Freizeit vor dem Computer und im Internet. Auf seinem Rechner finden Beamte Pornobilder und den bei Jugendlichen weit verbreiteten Ego-Shooter "Counter-Strike". Das Spiel ist ab 16 Jahre freigegeben. Viele Beobachter glauben, Tim habe sich nach und nach in eine virtuelle Welt zurückgezogen. Für seinen Amoklauf benutze der Junge eine Pistole seines Vaters.
Die Waffen: Von seinem Vater scheint der Junge seine Vorliebe für Schusswaffen geerbt zu haben. Dieser bewahrte 15 Waffen im Haus auf. Tim selbst besaß mehrere Softair-Pistolen. Im Keller hatte Tim einen eigenen Schießstand. Tim war kein Mitglied im Schützenverein, nahm aber mit seinem Vater gelegentlich als "Gastschütze" an Veranstaltungen teil. Vor Freunden prahlte Tim, er kennen die Zahlenkombination für den Waffenschrank des Vaters.
Das Motiv: Unklar. Ein Protokoll eines Chats auf der Seite "Krautchan.net" erwies sich als falsch. Es gibt keinen Beweis dafür, dass Tim K. der Verfasser der folgenden Zeilen ist.
"Scheiße, Bernd, es reicht mir, ich habe dieses Lotterleben satt. Immer dasselbe, alle lachen mich aus, niemand erkennt mein Potenzial. Ich meine es ernst, Bernd, ich habe Waffen hier und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen.
Vielleicht komme ich ja auch davon, haltet die Ohren offen, Bernd. Ihr werdet morgen von mir hören. Merkt euch nur den Namen des Orts: Winnenden. Und jetzt keine Meldung an die Polizei, keine Angst, ich trolle nur."
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