Skandal weitet sich aus: Weiterer Jesuit gesteht sexuellen Missbrauch ein
zuletzt aktualisiert: 02.02.2010 - 20:10München/Hannover (RPO). Offenbar ist der Missbrauchs-Skandal für die Jesuiten noch nicht ausgestanden: Nach Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs von Schülern durch zwei Geistliche am Berliner Canisius-Kolleg hat ein weiterer Jesuit sexuelle Übergriffe eingeräumt.
Der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten, Stefan Dartmann, teilte am Dienstag in München mit, dass sich der Mann zu den Taten bekannt habe, nachdem er von der Beauftragten für die Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs, Ursula Raue, mit den Aussagen von drei Opfern konfrontiert worden sei, die sich jetzt gemeldet hätten. In einem Fall habe der Beschuldigte die Tat zugegeben.
Dartmann dankte den Opfern, dass "sie hervorgetreten sind und ich entschuldige mich bei ihnen im Namen des Ordens." Die Vorfälle aus den 70er Jahren in Hannover, deren Opfer sich jetzt an die Beauftragte gewendet hätten, gäben Anlass zu der Befürchtung, dass es auch an anderen Orten solche Übergriffe gegeben habe, fügte der Provinzial hinzu.
Nach seinen Worten hat er den Geistlichen aufgefordert, Anzeige gegen sich selbst zu erstatten. Dies sei bereits geschehen. Auch habe er den Mitbruder mit sofortiger Wirkung vom priesterlichen Dienst suspendiert.
Der betreffende Jesuit, der noch heute im Orden ist, war den Angaben zufolge Religionslehrer in Berlin am Canisius-Kolleg (1970 bis 1971), in Hannover als Jugendseelsorger (1971 bis 1975), als Lehrer und in der Jugendarbeit in Berlin (1976 bis 1981) und danach als Lehrer und Jugendseelsorger in Hamburg (1981 bis 1983) tätig. Danach war er über 20 Jahre lang Projektleiter eines anerkannten Hilfswerkes.
Übergriffe im Canisius-Kolleg schon in den sechziger Jahren
Unterdessen wird berichtet, dass es am Berliner Canisius-Gymnasium bereits in den sechziger Jahren sexuelle Übergriffe gegeben haben soll. Dabei beruft sich die "Berliner Zeitung" auf Aussagen ehemaliger Schüler. Drei frühere Schüler nannten dem Blatt zufolge die Namen von drei weiteren Patres, die sich an Schülern vergangen haben sollen. Sie sind inzwischen pensioniert beziehungsweise verstorben.
Der verstorbene Pater Kurt M. beispielsweise sei Mitte der sechziger Jahre häufig im Berliner Poststadion aufgetaucht, wenn die Jungen der siebten Klassen Schwimmunterricht hatten. "Es war nicht sehr angenehm, anschließend nackt zu duschen, während ein Erwachsener, zudem noch ein Pater, einen dabei anstarrte", sagte ein Ehemaliger laut der Zeitung.
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