Suche nach zweitem Vermisstem unter Hochdruck: Welle der Hilsbereitschaft in Köln
zuletzt aktualisiert: 09.03.2009 - 11:46Köln (RPO). Sechs Tage nach dem Einsturz des Stadtarchivs in Köln ist die Suche nach dem zweiten Vermissten am Montag mit Hochdruck fortgesetzt worden. Dabei kamen nach Angaben der Stadtverwaltung auch wieder Leichenspürhunde zum Einsatz. Die Kölner zeigen sich hilfsbereit, bieten den obdachlos gewordenen Anwohnern Wohnungen an. Viele der geborgenen Archivmaterialien seien in überraschend gutem Zustand, heißt es.
Diese hätten an der Unglücksstelle aber seit Stunden nicht angeschlagen. Weiterhin werde mit Baggern, aber auch mit bloßen Händen in dem Trümmerkegel gegraben.
Die Rettungskräfte haben sich laut Feuerwehr im Bereich der Fassade eines eingestürzten Hauses neben dem Stadtarchiv bis 5,50 Meter Tiefe unterhalb der Straßendecke vorgearbeitet. Es sei unwahrscheinlich, dass der 24-jährige Vermisste bei dem Gebäudeeinsturz noch tiefer herunter gerissen wurde.
Deshalb arbeiteten sich die Helfer jetzt schrittweise in den hinteren Grundstücksbereich des mittlerweile abgerissenen Gebäudes vor. Bislang sei jedoch auch dort nichts gefunden worden. Rund 70 Helfer seien in der Nacht im Einsatz gewesen.
Unterdessen gingen bei der Stadt bereits mehr als 100 Wohnungsangebote für die Betroffenen ein, die durch die Katastrophe ihre Wohnungen verloren haben. Die ersten zehn Betroffenen hätten bereits eine passende Wohnung gefunden, hieß es. Die Stadt kündigte an, neben den unmittelbar Betroffenen auch alle anderen Umzugswilligen aus dem Umfeld des Unglücks entsprechend zu beraten und zu unterstützen.
Gleichzeitig würden weiterhin wertvolle Archivalien geborgen und abtransportiert. Dabei sei der Zustand der Fundstücke teilweise überraschend gut. So konnte die Feuerwehr einen Stahlschrank mit historischen Siegeln nahezu unversehrt bergen.
Hilfe bei der Rettung der verschütteten Archivalien kam am Montag aus Marburg. Rund 50 Studierende, Dozenten und Mitarbeiter der dortigen Archivschule wollen drei Tage lang helfen, das Archivgut zu bergen, zu erfassen und nach Schadensgruppen zu klassifizieren, wie das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst mitteilte.
Am Sonntag war der erste von zwei Vermissten tot aus den Trümmern geborgen worden. Die Rettungskräfte fanden die Leiche des 17-jährigen Bäcker-Lehrlings Kevin in einer Tiefe von drei bis vier Metern unterhalb des Straßenniveaus in dichtem Schutt. Vermisst wird jetzt noch ein Design-Student, der sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit unter dem Trümmerberg an der Unglücksstelle befindet. Die beiden jungen Männer hatten sich zum Unglückszeitpunkt am Dienstag in Dachgeschosswohnungen der angrenzenden Häuser aufgehalten, die mit dem Einsturz des Stadtarchiv-Gebäudes ebenfalls zu großen Teilen zusammenfielen.
Am Montagmorgen wurden die weiträumigen Straßensperren im Umfeld der Unglücksstelle weitgehend aufgehoben. Der nördliche Bereich der Severinstraße mit der unmittelbaren Unglücksstelle und der Waidmarkt sind allerdings weiterhin abgeriegelt.
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