Schäden in Millionenhöhe: Weltberühmtes Kloster überflutet
zuletzt aktualisiert: 26.04.2005 - 17:49Düsseldorf (rpo). Das weltbekannte Kloster Eberbach im Rheingau ist nach starken Regenfällen von Wassermassen überflutet worden. Die Schäden belaufen sich in Millionenhöhe. Nahezu alle zentralen Gebäude seien betroffen, teilte der Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach, Jens Jacob, am Dienstag mit.
Darunter die Basilika, das ehemalige Hospital und der Kapitelsaal. Überflutet, aber nicht beschädigt wurde offenbar die Weinschatzkammer mit Zehntausenden Flaschen sehr alter und wertvoller Rheinweine.
Augenzeugen bot sich am Dienstag auf dem Klostergelände ein Bild der Verwüstung. Der Kleine Klosterhof etwa war zentimeterdick mit Schlamm bedeckt. "Die Basilika ist betroffen, die Gebäudetechnik und unsere Außenanlagen sind zerstört", seufzte Jens Jacob, Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach: "Wir sind dumm erwischt worden."
Zum Verhängnis wurde dem Kloster ein Kanal, durch den der Kisselbach abgeleitet wird, gewöhnlich ein kleines Rinnsal, das aber nach den starken Regenfällen der letzten Tage zu einem reißenden Gewässer geworden war.
Der aus dem 18. Jahrhundert stammende, gemauerte Kanal führt das Wasser unter den Klostermauern hindurch. Erst an der Unterseite des Klostergeländes kommt der Bach wieder ans Tageslicht. Offenbar habe der starke Wasserdruck dazu geführt, dass der Kanal im Bereich des Kleinen Klosterhofes eingebrochen sei. Danach staute sich das Wasser im Gebäudekomplex.
Aufräumarbeiten bis Ende der Woche
Um 16.20 Uhr am Dienstag atmeten Mitarbeiter des Klosters, der hessischen Staatsweingüter und der örtlichen Feuerwehr auf: Einem Baggerführer war es da gelungen, die verstopfte Stelle auszuheben. Das Wasser des Baches, eine schmutzig braune Brühe konnte wieder ablaufen. Nach Angaben der Klosterstiftung werden die Säuberungs- und Aufräumarbeiten die gesamte Woche über andauern. Jacob sagte, die seit 1986 andauernden Restaurierungsarbeiten seien durch das Unglück kaum zurück geworfen worden. Bis auf die Basilika seien ausschließlich Gebäude überflutet worden, bei denen die Renovierung noch ausstehe.
Der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU), zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Kloster Eberbach, gab am Dienstag Entwarnung für die Weinschatzkammer des Klosters, die zeitweise einen Meter hoch unter Wasser stand. Die dort lagernden und versiegelten Weinflaschen im Wert von mehreren Millionen Euro müssten zwar gereinigt werden, seien aber ansonsten unbeschädigt geblieben.
Nach Angaben des Ministeriums waren zur Bekämpfung der Flut zeitweise 70 Feuerwehrleute, am Dienstag immerhin noch 30 Feuerwehrleute im Einsatz. "Solange das Wasser noch nicht vollständig abgepumpt ist, sind die Schäden an diesem einmaligen Kulturerbe noch nicht absehbar", sagte Dietzel. Der gesamte Nordflügel des Klosters sei von Wasserschäden betroffen. Abgesehen von den Gebäuden seien allerdings keine Kunstwerke beschädigt worden: "Ich hoffe sehr, dass das Wahrzeichen des Rheingaus schon bald wieder Besucher empfangen kann."
Kloster Eberbach wurde im Jahr 1116 zunächst von Augustiner-Chorherren gegründet. 1136 übernahmen Zisterzienser das Kloster und brachten es in den folgenden Jahrhunderten zu großer Blüte. 1803 wurde das Kloster aufgehoben. In den nachfolgenden Jahrzehnten war es unter anderem Gefängnis, Irrenanstalt und Militärkrankenhaus. Seit 1998 gehört der Gebäudekomplex der Stiftung Kloster Eberbach. 1985 wurden hier Teile des Films "Der Name der Rose" nach dem Erfolgsroman von Umberto Eco mit Sean Connery und Christian Slater in den Hauptrollen gedreht.
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