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"Wendy" wird 30
Phänomen Pferdemädchen

Berlin. Die Zeitschrift "Wendy" wird 30. Der Inhalt blieb über Jahre hinweg ähnlich, die Leserschaft aber hat sich verändert. Was die Leserinnen verbindet, ist die Liebe zum Tier. Ein guter Anlass für die Frage, warum Pferde faszinieren. Von Caroline Bock

Sie finden Pferde süß. Auf Reiterhöfen kommen sie in eingeschworenen Cliquen vor, die manchmal richtig fies sein können: Pferdemädchen. Ihr Zentralorgan, die Zeitschrift "Wendy", wird heute 30 Jahre alt. 2017 kommt der gleichnamige Film ins Kino, eine Fernsehserie gibt es schon.

Erwachsene Frauen kann man eigentlich in zwei Kategorien unterscheiden: Waren sie früher ein Pferdemädchen? Oder war ihnen der Unterschied zwischen Dressur und Voltigieren, Trab und Galopp und der zwischen Friesen, Haflingern und Arabern schnuppe?

Für viele ist das Reiten eine Phase vor dem ersten Freund, ein nicht gerade billiges Hobby, geduldig getragen von Eltern, die den Nachwuchs zum Reiten kutschieren. Einige bleiben ihr Leben lang ein Pferdemädchen. So wie Queen Elizabeth II., die zum 90. Geburtstag eine Reiterparade geschenkt bekam und immer noch im Sattel sitzen soll - ohne Helm.

Wenn man auf Pferde achtet, sind sie auf einmal überall. Fußballstar Thomas Müller teilt die Begeisterung seiner reitenden Frau Lisa und trägt brav die Tasche mit Gerte und Leckerli - so war es gerade in der "Bunten" zu lesen. Comedian Helge Schneider hat dem Phänomen Pferdemädchen sogar mal ein Musical gewidmet. Es hieß "Mendy - Das Wusical".

"Mendy - Das Wusical"

Die Heldin des Stücks erinnert an die Zeitschrift - "Wendy". Das Erste, was beim Heft am Kiosk auffällt: die Beilagen. 1990 war es ein Mähnenkamm, heute zum Beispiel eine "Beauty Bag" bedruckt mit zwei Schimmeln im Meer. Im Heft dann: Wissensartikel über Pferde ("Süße Bergponys aus Italien", "Traumberufe mit Pferden"), Poster und eine Fotostory, für die Mädchen auf Reiterhöfen gecastet werden. Fester Bestandteil sind die Comic-Abenteuer von Wendy Thorsteeg, die auf einem Reiterhof in Schleswig-Holstein lebt. Ältere Leserinnen denken bei den Storys an Fernsehserien wie "Black Beauty" oder "Die Mädels vom Immenhof".

Der Inhalt der "Wendy" ist über die Jahre gleich geblieben - die Leserschaft aber hat sich verändert. Längst nicht mehr alle haben regelmäßig Zugang zu einem Pferd oder besitzen gar eines, wie Produktmanagerin Nora Gollek erläutert. "Aus dem Pferde- und Comicheftchen von einst ist eine Mädchenzeitschrift geworden - für Mädchen, die Pferde lieben."

Warum Mädchen auf Pferde stehen, war schon viel Stoff für Wissenschaftler bis hin zur Psychoanalytikerin Anna Freud. Uta Helkenberg von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erklärt: "Man kann immer wieder beobachten, dass das Pferd in der Übergangsphase zwischen Kind und junger Frau eine wichtige Rolle spielt, dass gerade Mädchen zum Pferd eine besondere, emotionale Bindung aufbauen."

Ihr Eindruck ist aber auch, dass die Jugendlichen heute oft nicht mehr die Zeit haben, um neben der Schule nachmittags im Stall zu sein. Die Zahl der registrierten reitenden Mädchen ist in den vergangenen fünf Jahren deutlich gesunken - von 159.000 auf 138.000.

Und was sagt ein Pferdemädchen dazu? Nachwuchsreiterin Lilli (5) aus Schleswig-Holstein findet die Tiere einfach lieb. "Am tollsten ist, wenn Berti galoppiert, wenn man so fast schwebt im Himmel."

Nicht alle bleiben dem Sport aus der Kindheit treu. Etwa, wenn der Freund keine Pferde mag oder der Beruf nicht zum Reiten passt. Das "Pferdevirus" haftet aber meist lebenslänglich, sagt Helkenberg. Viele kehren später als Wieder-Aufsteiger zurück. Oder sie schauen als Eltern hinterm Zaun zu, wie das Kind auf dem Pony reitet - und manchmal eine lebenslange Liebe beginnt.

(dpa)
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