Praxis für Liebeskranke in Hamburg: Wenn das Herz gebrochen ist ...
zuletzt aktualisiert: 09.02.2005 - 10:50Hamburg (rpo). "Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling, no no. Schade um die Tränen in der Nacht", sang einst Siw Malmkvist. Und versprach in der Fortsetzund des Refrains, dass das Herz am nächsten Morgen schon wieder lachen würde. Doch schnell geht das meistens nicht. In Hambung gibt es jetzt eine Liebeskummer-Praxis.
"Liebeskummer ist kein Magengeschwür", sagt Silvia Fauck. "Und gebrochene Herzen kann man nicht operieren." Die 51-Jährige ist diplomierte psychologische Beraterin und betreibt in Hamburg die in ihrer Form einzige Liebeskummer-Praxis in Deutschland. Und sie hat all das selbst durchlitten, warum Verzweifelte heute bei ihr Rat suchen.
"Statt des erhofften Eherings erhielt ich eines Tages ein Fax, mit dem mein Lebensgefährte unsere Beziehung beendete", berichtet die Mutter zweier erwachsener Töchter. Dem Schock folgten Depressionen. "Da habe ich hier heulend am Boden gelegen."
Heute erzählt Fauck neuen Klienten erst einmal die eigene Geschichte. "Das schafft Vertrauen und baut eine wichtige Brücke." Denn für viele sei es trotz der Verzweiflung ein schwieriger Schritt, um Rat nachzusuchen. Da hilft auch die Anonymität des Hochhauses im gediegenen Hamburger Stadtteil Eppendorf, in dem die Praxis liegt.
Faucks Klienten sind zwischen Anfang 20 und Mitte 60. Was auf den ersten Blick verwundert: sieben von zehn sind Männer. Viele suchten den Kontakt heimlich über die Gelben Seiten. "Männer rufen lieber an, am besten ungestört aus dem Büro."
Da die Beraterin auch Coaching anbietet, wendet sich manch Manager an sie, "weil im Job nichts mehr läuft". Doch oft stelle sich heraus: "In Wahrheit stecken Partnerprobleme dahinter." Männer versuchten eher, Probleme mit sich selbst abzumachen, flüchteten sich in ein "Beziehungs-Hopping" - und kämen irgendwann nicht weiter. Lange Kneipennächte mit viel Alkohol taugten wenig als Ablenkung, und gute Freunde seien meist parteiisch.
Vor allem zunehmende berufliche Belastungen werden zur Zerreißprobe für Beziehungen. "Die meisten Klienten sind im Alter ab Mitte 30 und passen in zwei Kategorien: erfolgreich und einsam oder erfolgreich und unglücklich." Zudem schraubten Medien und Werbung die Maßstäbe und damit die Ansprüche an die Liebe immer höher. Solch Druck überfordere viele Partnerschaften. Die Folge: "Wir haben einen Trend wie in Amerika - Deutschland 'versingelt' immer mehr", sagt die Beraterin.
Als neutrale Außenstehende sieht Fauck sich in der Rolle von Mutter, Pfarrerin, Freundin und Psychologin in einem. "Ich ordne die Gedanken meiner Klienten, reinige ihr Gemüt und gebe ihnen Kraft und Motivation, ihr Problem zu lösen." In den Sitzungen - 60 Minuten für 80 Euro - gibt sie praktische Tipps. "Und ich rede nicht um den heißen Brei herum, sondern sage ihnen auch mal direkt, wenn sie sich verrannt haben."
In der Liebeskummer-Praxis melden sich Singles wie Paare, Hetero- wie Homosexuelle. "Meine erste Klientin war eine Lesbe, empfohlen durch ihren Schneider." Ein junger Schwuler stellte sie, nachdem sie ihn beraten hatte, später bei einem Essen seinem neuen Freund vor. Fauck coacht Prominente wie ein Hamburger Schauspieler-Ehepaar. Jüngst rief eine junge Schweizerin an, weil sie weder in der Eidgenossenschaft noch anderswo in Deutschland eine Praxis dieser Art finden konnte.
Problematisch wird es, wenn Paare ihren Beziehungsstreit in der Praxis austragen wollen. "Manche wissen selbst, dass es schon zu spät ist, und erwarten nur noch die Bestätigung dafür." Dann ist Fauck konsequent: "Ich bin kein Prellbock und kein Richter für eine vorweggenommene Scheidung."
Mit Liebeskummer sei es wie im Trauerfall, sagt Fauck, die Aufarbeitung ähnlich schmerzhaft. Doch die Aussicht sei positiver. Zumal wenn am Ende eine Hochzeit steht, wie im Fall einer jungen Frau, die vor einigen Jahren noch als Klientin mit gebrochenem Herzen in der Praxis saß.
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