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Die Eisheiligen sind pünktlich
Ab Donnerstag droht wieder Nachtfrost

Tipps: Die schönsten Frühlingsorte in der Region
Tipps: Die schönsten Frühlingsorte in der Region FOTO: Henning Bulka
Bonn. Der Frühsommer hat ein jähes Ende: Ab Donnerstag rechnen die Meteorologen mit deutlich fallenden Temperaturen.

"Sogar Nachtfrost ist wieder möglich", sagt Andreas Friedrich, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes. Er prognostiziert einen "brutalen Wetterwechsel" zu Pfingsten. Nach dem sommerlichen Himmelfahrtswochenende, das Hoch Peter bescherte, sorgt nach derzeitigem Stand zum Pfingstwochenende ein kräftiges Tief für kalte Polarluft. Die Temperaturen gehen auf Talfahrt und erreichen den Prognosen zufolge meist nur noch Werte um 15 Grad.

Eigentlich haben die Eisheiligen nichts mit dem Wetter zu tun. Der Name "Eisheilige" rührt daher, dass häufig Mitte Mai eine Wetterperiode mit Zufuhr arktischer Meeresluft einsetzt, die als kritisch für die Landwirtschaft gilt. Hintergrund ist, dass sich im Mai der europäische Kontinent deutlich schneller aufheizt als das umgebende Meer. An der Grenze von Warm und Kalt entstehen Tiefdruckgebiete, die polare Kaltluft bis Mitteleuropa bringen können. An solchen Tagen droht nach den Erfahrungen der Bauern der letzte Frost und damit eine große Gefahr für die Ernte.

Nach Angaben der Wetterforscher sind die Eisheiligen ihrem Ruf in den letzten zwei Jahrzehnten allerdings nicht ganz gerecht geworden: "In den historischen Aufzeichnungen deutet sich an, dass solche späten Kaltluftperioden im 19. und 20. Jahrhundert häufiger und intensiver aufgetreten sind als in den letzten Jahren", heißt es beim Deutschen Wetterdienst.

Neben den "Eisheiligen" gibt es noch andere Witterungsereignisse, die im Jahreslauf relativ regelmäßig eintreten: Etwa die Schafskälte um den 10. Juni oder der Siebenschläfertag am 27. Juni. Verkompliziert wird die Berechnung solcher Wetterphänomene allerdings durch die Gregorianische Kalenderreform, in deren Folge zwischen 1582 und 1752 mehrere Tage aus dem Kalender gestrichen wurden, da der bis dahin gültige Julianische Kalender nicht mehr genau genug war. Der Tag der "Kalten Sophie" (15. Mai) lag vor der Reform auf dem Tag, der heute dem 22. Mai entspricht. Oft ist es allerdings im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar, ob eine kalenderbezogene Bauernregel vor oder nach Einführung des Gregorianischen Kalenders entstanden ist.

Als Zäsur zwischen dem "Winterfrost" und den sommerlich warmen Tagen finden die Eisheiligen schon im 15. Jahrhundert im "Heiligen Namenbuch" des Konrad Dankrotzheim Erwähnung: "Pancratius und dann noch wol drie und die jungfrowe Sante Sophhie - darnach let sich der sumer an." Zahlreiche Bauernregeln befassen sich mit den strengen, frostbringenden Heiligen: "Pankratius hält den Nacken steif, / sein Harnisch klirrt vor Frost und Reif", heißt es beispielsweise ganz martialisch. Und: "Pankrazi, Servazi, Bonifazi / sind drei frostige Bazi, / und am Schluss fehlt nie / die kalte Sophie".

(felt/KNA)
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