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Wetterbilanz 2015
Ein Hitzerekord jagt den nächsten

Wetterbilanz 2015: Ein Hitzerekord jagt den nächsten
Eine Straße in Holzweiler, einem Stadtteil von Erkelenz. FOTO: ap
Düsseldorf. Passend zum Klimagipfel in Paris fallen die Hitzerekorde weltweit in Serie. Das Jahr 2015 wird aller Voraussicht nach das wärmste seit Beginn der Messungen. Auch für den November in Deutschland vermelden die Meteorologen Höchstwerte. Von Dana Schülbe und Philipp Stempel

So warm wie 2015 war es wohl noch nie. Zumindest seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Die Hitzeperioden werden länger und heißer. In der globalen Bilanz fielen in nicht weniger als acht Monaten die Temperaturrekorde: Februar, März, Mai, Juni, Juli, August, September und Oktober.

Auch beim Deutschen Wetterdienst sprechen die Daten für sich. Der November: viel zu warm. Insbesondere in NRW. Zur Erinnerung: Am 3. kletterte das Quecksilber im Raum Aachen auf den wert von 20,3 Grad Celsius, in der Nacht zum 7. ging es in Geilenkirchen nicht unter 16 Grad zurück. Am 9. November berichteten wir unter der Überschrift "Frühling im November – es bleibt warm" über die Aussichten auf strahlenden Sonnenschein. Die Bilanz: Im Durchschnitt kam NRW auf eine Durchschnittstemperatur von 8,7 Grad – 3,6 Grad wärmer als im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990.

NRW das wärmste Bundesland

NRW war damit das wärmste Bundesland von allen. Die deutschlandweit erhobenen Werte fallen freilich ähnlich aus. Im Durchschnitt war es 3,5 Grad zu warm. DWD-Meteorologe Gerhard Lux kommt damit zu dem nüchternen Urteil: "Der November 2015 war der wärmste November in Deutschland seit Beginn regelmäßiger Messungen im Jahre 1881."

Dieser ungewöhnlich warme Verlauf im Herbst passt in den Jahrestrend. Welches Institut man auch für die Bilanzwerte heranzieht, bei allen läuft es auf einen Temperaturrekord im Jahr 2015 hinaus – und das, obwohl schon das Jahr 2014 ein Rekordjahr war. Die Durchschnittstemperatur werde wohl erstmals ein Grad höher als im vorindustriellen Zeitalter Ende des 19. Jahrhunderts liegen, berechnet die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf.

Fast alles spricht für den globalen Wärmerekord

Die Kollegen der US-Klimabehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) kommen unterdessen mit dem Vermelden neuer Rekorde gar nicht mehr richtig hinterher. Die ersten zehn Monate 2015 seien die wärmste Periode, die je gemessen wurde, betont die NOAA.

"Nach allem was wir absehen können, wird das Jahr 2015 wohl tatsächlich einen neuen globalen Wärmerekord bringen", erwartet auch DWD-Fachmann Lux. Allerdings gilt diese Aussage nur für den ganzen Planeten, nicht aber Deutschland. Zwar fielen hierzulande 2015 gleich mehrfach Wärmerekorde, doch glichen andere, eher kühle Monate wie etwa Februar, Mai oder Juni das wieder aus.

Kitzingen ächzte unter der Hitze

Auch weil seit Mitte der 80er immer neue "wärmste Jahre" aus der Statistik herausstechen, reicht es damit nach Lux' Prognose für 2015 maximal für einen Platz unter den Top Ten. Darüber entscheidet am Ende das Wetter in der zweiten Dezemberhälfte.

"Wir hatten allerdings einige sehr warme Monate, beispielsweise den August oder jetzt den November, und einen neuen Hitzerekord mit 40,3 Grad Celsius in Kitzingen", sagt Lux. In dem Ort bei Würzburg waren am 5. Juli und dann noch einmal am 7. August 2015 40,3 Grad Celsius gemessen worden. "An Arbeiten war nicht mehr zu denken", sagte der Bürgermeister des Hitze-Ortes, Siegfried Müller, damals im Gespräch mit unserer Redaktion. 

So heiß wie in Kitzingen war es noch nie in Deutschland. Zumindest seit Beginn der Messungen. Bislang lag der deutsche Rekord bei 40,2 Grad. Während der Hitzeperiode im Sommer ächzte auch NRW unter Glut-Temperaturen, in Essen schmolz sogar der Asphalt. Lux verweist mit Blick auf den Sommer auch auf ungewöhnlich lange Trockenperioden, die zwischen Februar und Oktober einem großen Bereich von Deutschland – dem Saarland, Hessen, Baden-Württemberg und Nordbayern – zusetzten.

Ob die extremen Wetterausschläge tatsächlich auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich trotz der Häufung dieser Ereignisse nicht zweifelsfrei sagen. "Ein neuer Rekordwert oder ein ungewöhnlicher Monat kann immer nur als Einzelereignis gelten", erläutert Lux.

"Allerdings passt der Verlauf der letzten Monate und der letzten Jahre genau ins Bild, das wir uns vom Klimawandel machen", sagt der Meteorologe. Entsprechend fallen die Prognosen aus: "Wir befürchten eine Zunahme warmer und trockener Witterungsphasen sowie einzelner Extremwettersituationen in den nächsten Jahrzehnten."

Auch ein Rückblick auf die Entwicklung vergangener Jahre zeigt: Die extremen Ausschläge verdichten sich. Von den heißesten fünf Jahren der Messungen gehören allein vier in dieses Jahrtausend. Die Jahre im Überblick.

  1. 2014: Durchschnittstemperatur 10,30 Grad
  2. 2000: Durchschnittstemperatur 9,87 Grad 
  3. 2007: Durchschnittstemperatur 8,86 Grad
  4. 1994: Durchschnittstemperatur 9,70 Grad
  5. 2011: Durchschnittstemperatur 9,63 Grad

Zum Vergleich: Der Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990, den die Meteorologen als Referenzwert heranziehen, beträgt 8,2 Grad. 

mit Material von dpa

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