Weihnachten in Gefahr?: Wetterchaos: Nun reagiert die Bahn
zuletzt aktualisiert: 22.12.2010 - 06:44Berlin (RPO). Seit Tagen ist die Deutsche Bahn in der Kritik. Wegen des Winterwetters kam es seit dem Wochenende zu Zugausfällen, Verspätungen und zahlreichen Pannen. Selbst der Bahnchef riet am Sonntag von Reisen mit dem eigenen Unternehmen ab. Kurz vor Weihnachten reagiert das Unternehmen nun und ändert den Fahrplan.
Die Bahn ändert angesichts des großen Andrangs wegen der Wetterverhältnisse voraussichtlich bis Jahresende ihren Fahrplan. Seit dem Wintereinbruch habe das Unternehmen eine halbe Million zusätzlicher Buchungen verzeichnet, teilte das Unternehmen am Dienstag in Berlin mit. Derzeit kauften täglich rund 50.000 mehr Fahrgäste ein Bahnticket.
Dieser Nachfrage wolle man durch die Fahrplanänderungen, die von Mittwoch voraussichtlich bis Jahresende in Kraft seien, begegnen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hatte die Änderungen bereits zuvor im dapd-Gespräch angekündigt.
"Unser erklärtes Ziel ist es, trotz der durch Schnee und Eis eingeschränkten Fahrzeugverfügbarkeit möglichst alle Fahrgäste an ihr Ziel zu bringen", sagte Ulrich Homburg, Vorstand Personenverkehr der Deutschen Bahn. "Mit den aktuellen Fahrplanänderungen wollen wir überbesetzte Züge auf den Hauptstrecken vermeiden und dennoch auf den Nebenstrecken keinen Fahrgast stehen lassen."
Zusätzliche Züge sollen insbesondere auf der Strecke Köln - Ruhrgebiet - Berlin und der Verbindung zwischen Hamburg - München beziehungsweise Hamburg - Stuttgart - Basel eingesetzt werden. Verstärkt werden sollten die Linien, auf denen Flugverkehr ersetzt werden müsse, sagte Bahnvorstand Fernverkehr, Berthold Huber.
Entfallen wird unter anderem die Intercity-Linie 55 zwischen Hannover und Leipzig alle zwei Stunden. Ersatzverkehre zwischen Hannover und Magdeburg werden durch Regio-Züge gefahren. Reisende von und nach Braunschweig beziehungsweise Magdeburg müssen bei gleicher Reisezeit einmal in Hannover umsteigen. Fahrten von und nach Leipzig erfordern ab Mittwoch einen zusätzlichen Umstieg in Berlin und dauern rund 50 Minuten länger. Ausgedünnt wird außerdem die IC-Linie 61 von Nürnberg nach Karlsruhe. Dort verkehren die Züge ab Mittwoch nur noch alle vier statt bisher alle zwei Stunden.
Reisende, die statt einem ICE nun einen IC nutzen müssten, bekämen die Differenz erstattet, hieß es. Ebenso würden nicht in Anspruch genommene Sitzplatzreservierungen erstattet. Kunden, deren Züge von der Fahrplanänderung betroffen seien, könnten von der Fahrt zurücktreten und bekämen ihre Fahrscheine ohne Gebühr komplett erstattet.
Lieber am 22. Dezember fahren
Bereits am Montag hatte die Deutsche Bahn geraten, ihre Weihnachtsreisen aufgrund der zu erwartenden Schneefälle möglichst früh anzutreten. Bahnsprecher Carsten Grumme sagte unserer Redaktion: "Es ist auf jeden Fall sinnvoll, schon am 22. Dezember zu fahren." Am 23. und 24. Dezember sei mit einem erhöhten Fahrgastaufkommen zu rechnen.
Lufthansa will regulären Flugbetrieb wieder aufnehmen
Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow sagte, die positiven Wetterprognosen machten es möglich, den seit dem Wochenende geltenden Sonderflugplan zu beenden. "Bis auf Ziele, die wegen schlechter Wetterbedingungen nur eingeschränkt angeflogen werden können, sollen am Mittwoch alle internationalen Flüge durchgeführt werden", erklärte er. Auch auf innerdeutschen Stecken solle nahezu der gesamte normale Flugplan wieder gelten.
Noch am Dienstag hatte heftiger Schneefall für chaotische Flug- und Straßenverhältnisse gesorgt. Auf dem Frankfurter Flughafen lief zwischen kurz nach 05.00 Uhr und 08.30 Uhr ging gar nichts. Zahlreiche Flüge wurden auf andere Airports wie München oder Leipzig umgeleitet. Auf den Straßen in ganz Deutschland gab es wieder kilometerlange Staus.
EU-Kommission: Lage "inakzeptabel"
Die EU-Kommission hat das Schneechaos auf Europas Flughäfen scharf kritisiert. Der für Verkehr zuständige Kommissar Siim Kallas erklärte am Dienstag in Brüssel: "Das ist inakzeptabel und darf sich nicht wiederholen." Kallas kündigte für die kommenden Tage ein Treffen mit Verantwortlichen der Flughäfen an, um von ihnen Erklärungen zu verlangen. Er rief die Flughafenbetreiber auf, sich gegen Schnee und Eis besser zu wappnen.
Andernfalls behält sich die Kommission vor, Gesetze für Mindestanforderungen an Flughäfen zu erlassen. In den vergangenen Tagen waren wegen des Winterwetters tausende Passagiere an Flughäfen in Deutschland und anderen EU-Staaten gestrandet.
Kritische Wettervorhersage für die nächsten Tage
Laut dem Deutschen Wetterdienst wird es an den Tagen vor Weihnachten zu weiteren Schneefällen und gefrierender Nässe kommen. Auch an Heiligabend soll es weit verbreitet schneien. Während sich die einen also auf weiße Weihnachten freuen dürfen, werden die Festtage für alle Reisenden zur Belastungsprobe.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







