Kölner U-Bahn: Wettlauf mit dem Hochwasser
VON THORSTEN BREITKOPF - zuletzt aktualisiert: 28.02.2010 - 22:15Köln (RPO). In Köln hat ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Die Flutung der U-Bahnbaustelle Heumarkt kann noch vermieden werden. Ursprünglich sollte die Baugrube am Samstag um 12 Uhr unter Wasser gesetzt werden. Dadurch könnten die Betonwände, in denen ein Großteil der Eisenbügel fehlt, bei steigendem Grundwasserspiegel stabilisiert werden, hieß es von der Stadt. Doch kurzfristig wurde die Flutung abgesagt.
Der Rhein war am Wochenende nur um einen Zentimeter pro Stunde gestiegen -nur halb so schnell wie erwartet. Am Montag soll mit dem Einziehen einer Zwischendecke begonnen werden, die erst für April geplant war. "Sie erhöht die Stabilität der gesamten Haltestelle. Das Bauwerk ist dann auch für größere Hochwasser abgesichert", erklärte der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen (SPD).
Konkret heißt das: Eine Flutung der Baugrube ist dann nicht mehr bei einem Grundwasserspiegel von 39,50 Meter, sondern erst bei 41,50 Meter notwendig. Solche Hochwasser kämen aber nur alle 200 Jahre einmal vor. Zurzeit arbeiten die Bauarbeiter mit Hochdruck an der Zwischendecke. Um zehn Uhr beginnen die Arbeiten. Es werden 2850 Tonnen Beton benötigt.
Um die dafür erforderlichen 600 Lkw zur Baustelle zu bringen, wird die gesamte Ost-West-Achse auf eine Fahrbahn reduziert. Für die Berufspendler werde es eng, teilte der Sprecher mit. Autofahrer sollen die Innenstadt weiträumig umfahren. Es ist mit einem Verkehrschaos zu rechnen.
Die Bauarbeiten sollen Dienstagabend abgeschlossen sein - vorausgesetzt, alles läuft reibungslos. Am Sonntag mussten wegen des Sturms zwei Kräne auf der Baustelle gesichert werden. Die Zwischendecke sei dadurch aber nicht in Gefahr, sagte der Stadtsprecher. Die beteiligten Bauunternehmen hoffen auf ein schnelles Ende des Sturms, damit die Betontransporte durch die Stadt nicht gefährdet werden.
Sorgen bereitet der Starkregen im Moselgebiet. Eine Flutwelle mit Pegelständen von deutlich über sieben Metern soll Dienstag Köln erreichen. Dann ist die rettende Zwischendecke zwar noch nicht fertig, da aber das Grundwasser mit einem Tag Verzögerung steigt, sind die Kölner hoffnungsvoll. Für den Fall, dass der Rheinpegel dennoch unerwartet steigt, hat die Feuerwehr Schlauchleitungen errichtet, über die Wasser aus dem Rhein in die Baugrube gepumpt werden kann. Dadurch wird der Zeitraum für die Flutung von 36 Stunden auf 15 Stunden verkürzt.
Der "Spiegel" berichtete unterdessen über Hinweise, dass der Pfusch beim Bau der U-Bahn möglicherweise an höherer Stelle einkalkuliert worden sei. Das Magazin beruft sich auf manipulierte Papiere, die eine Baustelle beträfen, an der die unter Verdacht stehenden Personen nicht gearbeitet hätten. Flächendeckende Schlamperei könne laut Experten ein Hinweis darauf sein, dass hier "systematisch mit Rückendeckung" gehandelt worden sei. Der Baukonzern Bilfinger Berger wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dass keine Hinweise auf ein geplantes Vorgehen von höherer Stelle vorlägen.
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