Kampf gegen die Schweinegrippe: WHO warnt vor der zweiten Welle
zuletzt aktualisiert: 04.05.2009 - 14:05Hongkong (RPO). Die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, warnt vor verfrühter Sorglosigkeit im Kampf gegen die Schweinegrippe. Der derzeitige Rückgang der Sterblichkeitssrate bedeute nicht zwingend das Ende der Grippewelle. Es drohe eine zweite Welle, die mit "aller Macht" zuschlagen könne. Unterdessen geht in Deutschland die Suche nach einem Impfstoff mit Hochdruck weiter.
Der derzeitige scheinbare Rückgang der Sterblichkeitsrate bedeute nicht, dass die Grippewelle zuende gehe, sagte Chan der britischen "Financial Times" vom Montag. "Wir hoffen zwar, dass das Virus sich totläuft", sagte Chan. Doch könne eine zweite Schweinegrippe-Welle jederzeit heftig zuschlagen. Wenn das geschehe, "steht uns ein großer Ausbruch bevor".
"Ich sage jetzt nicht, dass eine Pandemie losbricht", betonte die WHO-Chefin: "Aber wenn ich etwas versäume, und wir bereiten uns nicht richtig vor, bin ich gescheitert. Ich treffe lieber zuviel als keine Vorsorge." Bislang sind 18 Staaten von der Schweinegrippe betroffen, im am härtesten getroffenen Mexiko starben mindestens 22 Menschen. In Deutschland gibt es acht bestätigte Fälle.
Deutsches RKI will Erbsubstanz entschlüsseln
Der Kampf gegen die Schweinegrippe geht in Deutschland in eine neue Phase. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag berichtete, sind in Berlin und Marburg erste Isolate des Virus im Labor angezüchtet worden, die eine Grundlage für die Suche nach einem Impfstoff darstellen. Es sei damit zu rechnen, dass die Erbsubstanz in den nächsten Tagen entschlüsselt sei.
"In den ersten Tagen ging es uns hauptsächlich darum, einen diagnostischen Test aufzubauen und den zu vervollkommnen", erläuterte Institutspräsident Jörg Hacker. Mit der Charakterisierung des Virus komme man jetzt einen wichtigen Schritt weiter: "Das ist wissenschaftlich eine neue Qualität." Ähnliche Arbeiten liefen international in vielen anderen Labors. Dies bedeute, dass man demnächst "prognostisch Richtung Impfstoff" gehen könne.
In Deutschland hat sich die Schweinegrippe nach Erkenntnissen des RKI bisher nicht weiter ausgebreitet. Nach wie vor seien acht Erkrankungen bestätigt, sagte Hacker. Die Zahl der Verdachtsfälle ging auf zehn zurück. Zehn weitere hätten sich nicht bestätigt. Allen acht Erkrankten gehe es gut, auch dem Ehepaar aus Brandenburg, das mit demselben Flugzeug aus Mexiko zurückgekommen war wie eine junge Frau aus Hamburg, die sich ebenfalls infiziert hatte.
Meldepflicht verteidigt
Das Robert-Koch-Institut sieht dennoch keinen Grund zur Entwarnung. International stiegen die Fallzahlen weiterhin an, betonte Hacker. Das Virus sei sehr wandelbar und damit auch sehr unberechenbar. Außerdem stehe die Influenza-Saison auf der südlichen Halbkugel noch bevor. In Europa seien inzwischen 79 Erkrankungen in zehn Ländern bestätigt, weltweit sei die Schweinegrippe laut Weltgesundheitsorganisation mittlerweile in 20 Ländern nachgewiesen.
Hacker verteidigte die Entscheidung des Bundesgesundheitsministeriums, eine Meldepflicht für die Schweinegrippe einzuführen. Angesichts der Gefahr einer Epidemie oder Pandemie sei es wichtig, die Informationen so früh wie möglich zu haben, sagte er. Für die Vogelgrippe bestehe diese Meldepflicht längst, mit der Ausweitung auf die Schweinegrippe werde das Verfahren lediglich angeglichen.
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