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Prozessauftakt brunner münchen solln Panorama, ddp 2010-0713
  Foto: ddp, ddp
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Dritter Tag im Prozess um Mordfall Brunner: Widersprüchliche Aussagen der Zeugen

zuletzt aktualisiert: 15.07.2010 - 17:51

München (RPO). Die vier wichtigsten Zeugen im Mordprozess Dominik Brunner widersprechen sich in ihren Aussagen zum Beginn des tödlichen Kampfs am Münchner S-Bahnhof Solln. Der Älteste der vier Schüler, die der 50-Jährige beschützen wollte, beschrieb die Situation so, dass die Aggression eher von Brunner ausgegangen sei. Die Angeklagten hätten "nur so dagestanden", sagte er am Donnerstag.

Die drei anderen Schüler versicherten dagegen, dass die beiden auf Brunner zugegangen seien, teilweise berichteten sie von geballten Fäusten oder Drohungen vor dem ersten Schlag. Passanten hätten trotz ihrer Bitten nicht geholfen.

Der heute 16-jährige Marcel L. sagte, Brunner sei, nachdem er mit den Kindern in Solln ausgestiegen sei, den Angeklagten entgegengegangen. Der 50-Jährige habe etwas wie "Ihr wollt's ja nicht anders" gesagt und sofort einen der beiden ins Gesicht geschlagen. Davor hätten die beiden "nur so dagestanden" und keine aggressive Kampfhaltung eingenommen. Dies stützt in gewissem Maße die Angaben der Angeklagten, die am ersten Prozesstag beteuerten, sie hätten Brunner nicht angreifen wollen und die Situation sei erst nach dessen erstem Schlag eskaliert.

Die Angaben der anderen Schüler zu diesem Punkt passen dagegen eher zur Anklage. Richard M., ein anderer Schüler, hatte bereits am Mittwoch ausgesagt, Brunner habe seiner Auffassung nach zugeschlagen, um sich zu wehren. Die Angeklagten hätten Schläge angekündigt und seien auf den 50-Jährigen zugegangen, während dieser gestanden habe. Es sei klar gewesen, dass gleich etwas passieren werde. Auch die 14-jährige Sarah P. und die 15-jährige Anja W. schilderten am Donnerstag, dass die Angeklagten vor dem Kampf aggressiv auf Brunner zugegangen seien.

Die 15-Jährige sagte, Brunner habe zunächst versucht, die beiden mit Fußtritten auf Abstand zu halten, bevor er dem Angeklagten S. "ne gescheite Faust gegeben" habe. Die 14-Jährige sprach in der Verhandlung davon, dass zunächst geschubst wurde.

Sichtbare Kampfsporterfahrung

Marcel L. und Sarah P. sagten, man habe gemerkt, dass Brunner Kampfsporterfahrung habe. Laut Polizei soll der 50-Jährige in den 1990er Jahren für rund eineinhalb Jahre geboxt und bereits Selbstverteidigungskurse absolviert haben.

Relativ einig waren sich die Zeugen in der Rollenverteilung beim Kampf. So schilderten sie den zur Tatzeit 18-jährigen Markus S. den auch der erste Faustschlag Brunners traf, als den aggressiveren und aktiveren. Teilweise sagten sie auch aus, nur S. habe getreten. Der damals 17-jährige Sebastian L. wurde dagegen als passiver beschrieben. Mehrere der Kinder bestätigten auch seine Aussage, er habe Markus S. vom am Boden liegenden Brunner weggezogen.

Eine jugendliche Zeugin sagte, S. habe dem auf dem Boden liegenden Brunner mehrfach mit Wucht ins Gesicht getreten. Sie berichtete auch von einer kurzen Pause im Kampf, in der sich S. mit einem Schlüssel bewaffnet habe. Dies bestätigten auch die beiden männlichen Zeugen.

"Dann wär's vielleicht anders gelaufen"

Am Donnerstag wurden zudem erneut Vorwürfe laut, Passanten hätten Brunner nicht geholfen, obwohl die Kinder sie darum baten. Marcel L. sagte, sein Freund Richard habe dies bei rund fünf Personen versucht. Die Menschen hätten aber nicht reagiert.

Auch der S-Bahn-Fahrer habe sich wieder in den Zug gesetzt, und sei weitergefahren, obwohl er die Lage hätte erkennen können, sagte Marcel L.. "Wenn der vielleicht was gemacht hätte", sagte der Zeuge, bevor Tränen seine Stimme kurzzeitig erstickten, "dann wär's vielleicht anders gelaufen".

Quelle: apd/felt

 
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