Hinrichtungsvideos und Porno-Montagen: Wie Lehrer im Internet gemobbt werden
zuletzt aktualisiert: 11.06.2007 - 14:48Berlin (RPO). Immer häufiger werden Lehrer im Internet von Schülern schikaniert und bedroht. Der Deutsche Philologenverband schlägt jetzt Alarm: Hinrichtungsvideos und Porno-Bilder, in die Köpfe von Pädagogen montiert würden, seien an der Tagesordnung. Der Lehrerverband fühlt sich allein gelassen.
"Inzwischen gibt es in Deutschland wohl keine weiterführende Schule mehr, die nicht schon negative Bekanntschaft mit dieser neuen Tendenz, Lehrer anonym im Internet zu mobben, gemacht hat", erklärte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Anders als etwa in Großbritannien lasse die Politik die Lehrer dabei allein.
Meidinger berichtete von zahlreichen Verletzungen der Persönlichkeitsrechte und sogar Drohungen gegen Lehrer im Internet. Die bekannt gewordenen Fälle seien dabei nur die Spitze des Eisberges. So seien etwa in einem Flirt-Chat Lehrerinnen und Lehrer mit anzüglichen Bemerkungen und rufschädigenden Äußerungen in ein schlechtes Licht gerückt worden. In einem anderen Fall hätten Schüler eines Ortes auf einer Internetseite reihenweise Lehrerbilder mit beleidigenden Unterschriften veröffentlicht.
Zudem tauchen laut Meidinger häufig so genannte Hinrichtungs-Flashvideos auf viel genutzten Seiten wie Youtube auf, in die die Köpfe von Lehrern montiert werden. Auch das Hineinkopieren von Lehrergesichtern in pornografische Fotos und deren Vervielfältigung über Plattformen und Internetforen seien kein Einzelfall mehr.
"Das spottet jeder Beschreibung"
Lehrer hätten schon immer mit Kritik leben müssen und dürften dabei nicht zu empfindlich sein, betonte Meidinger. "Was sich allerdings derzeit im Internet abspielt, spottet oft jeder Beschreibung." Mit Schülerscherzen habe dies nichts mehr zu tun, sondern hier würden die Persönlichkeitsrechte von Lehrern systematisch mit Füßen getreten.
Es sei unverständlich, dass in Deutschland die Lehrer bei diesem Problem von der Politik alleingelassen würden, kritisierte der Verband. In Großbritannien gebe des derzeit eine breit angelegte Kampagne der Regierung gegen Lehrer-Mobbing im Internet.
In Deutschland dagegen habe trotz der Klagen von Datenschutzbeauftragten in einzelnen Bundesländern noch keine Landesregierung mit eigenen Maßnahmen reagiert.
Meidinger forderte vor allem, auf die Betreiber entsprechender Internetportale und Chatforen Druck auszuüben, damit diese solche Inhalte von vorneherein sperrten. "Was ist das für eine Moral, die es zulässt, dass mit der Diffamierung von Menschen Geld verdient wird!"
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