Adoption des Kanzlerehepaars hat prominente Vorbilder: Wie man vom deutschen Kanzler adoptiert werden kann
zuletzt aktualisiert: 17.08.2004 - 16:16Berlin (rpo). Leise, still und heimlich hat das Ehepaar Schröder die Adoption eines dreijährigen russischen Mädchens in die Wege geleitet. Fast nichts ist vom Schröderschen Familiennachwuchs bekannt. Zumindest ist durchgesickert, dass der russische Premier Vladimir Putin so was wie ein halber Patenonkel ist.
Das kleine Mädchen mit dem runden Gesicht ist ganz in weiß gekleidet und trägt ein Sonnenhütchen auf dem Kopf; es hält seine Adoptivmutter fest an der Hand. Eine Tageszeitung veröffentlichte am Dienstag das erste Foto vom Familienzuwachs des Bundeskanzlers: Ein fröhlich und entspannt wirkender Gerhard Schröder, der mit Frau Doris, der 13-jährigen Tochter Klara und deren neuer Schwester Viktoria durch die Altstadt des italienischen Pesaro bummelt.
Zu dem Zeitpunkt der Aufnahme Ende Juli hatte noch niemand gewusst, dass Schröders seit einigen Wochen zu viert sind. Auch die ältere Tochter aus einer früheren Beziehung der Kanzlergattin hatte das Paar in den vergangenen Jahren erfolgreich von der Öffentlichkeit ferngehalten. Mit ihrer neuen Familie lebt die kleine Viktoria im gutbürgerlichen Zooviertel in Hannover. Der Garten des Reihenendhauses ist komplett mit Sichtblenden abgeschirmt, Kindergärten und Grundschulen sind zu Fuß erreichbar. Es gibt praktisch keine öffentlichen Auftritte der Familie und zumindest bislang haben die Medien darauf verzichtet, den Schröders bei Ausflügen aufzulauern.
Als gesichert gilt bislang nur, dass Viktoria drei Jahre alt und Russin ist; zuvor soll sie in einem Kinderheim in Sankt Petersburg gelebt haben. Mit der Entscheidung, ein ausländisches Kind zu adoptieren, sind der Kanzler und seine Frau eines unter vielen deutschen Adoptivelternpaaren. Prominente Vorbilder sind der Moderator Günther Jauch und seine Frau, die zwei russische Adoptivkinder haben. Auch Schlager-Sänger Patrick Lindner adoptierte einen russischen Waisenjungen. Tennis-Star Michael Stich und seine Ex-Frau holten ein kleines Mädchen aus Indien zu sich. Insgesamt kam 2003 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ein Drittel aller adoptierten Kinder, die keine Stiefkinder waren, aus dem Ausland.
Roulettespiel Adoption
Denn die Aussicht auf ein deutsches Adoptivkind kommt für die meisten kinderlosen Paare in Deutschland einem Roulettespiel gleich: 2003 standen einem Kind 13 mögliche Eltern gegenüber. Angesichts dieser Zahlen entscheiden sich mittlerweile viele Paare für die Auslandsadoption. Die Kriterien für die Eltern in spe sind dabei jedoch ebenso streng wie bei einer Inlandsadoption. Auch eine Auslandsadoption bedeutet in der Regel Warten, oft mehrere Jahre lang. Manchmal kann es aber auch recht schnell gehen, dann kommt das Kind schon nach wenigen Monaten nach Deutschland.
"Es gibt keine Kinder erster und zweiter Klasse", sagt der Leiter der Bundeszentralstelle für Auslandsadoptionen (BZAA), Wolfgang Weitzel. Oft würden die Paare, die ein ausländisches Kind adoptieren wollen, sogar strenger geprüft - gemäß dem 1993 geschlossenen Haager Adoptionsübereinkommen nach deutschem Recht und dem Recht des Herkunftslandes. Russland hat das Dokument unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert und ist damit nicht daran gebunden. Im Falle Schröder jedenfalls seien sämtliche Entscheidungen "gemäß dem russischen Gesetz" getroffen worden, berichtete die russische Nachrichtenagentur ITAR-TASS unter Berufung auf das Umfeld von Präsident Wladimir Putin. Der Schröder-Freund war demnach in die Adoptionspläne eingeweiht.
Kinderhandel strafbar
Zuweilen treibt die Sehnsucht nach einem Kind Paare allerdings in die Arme von dubiosen Vermittlungsagenturen, die ihren Kunden tausende Euro abknöpfen, ohne dass diese je ein Kind zu Gesicht zu bekommen; andere entführen Babys oder kaufen sie ihren Müttern ab. "Eine Adoption dürfen in Deutschland nur gesetzlich berechtigte Stellen vermitteln", erklärt BZAA-Chef Weitzel. Dazu gehörten die Landes- und die örtlichen Jugendämter sowie die offiziell zugelassenen freien Träger. Wer ein Kind kauft, macht sich wegen Kinderhandels strafbar.
In den meisten Fällen aber ist eine Auslandsadoption für die Kinder der Garant für ein behütetes Zuhause und eine sichere Zukunftsperspektive - auch wenn die Adoption zunächst ein komplett neues soziales und kulturelles Umfeld bedeutet. "Es ist eine Grundbedingung, dass die Eltern den kulturellen Kontext berücksichtigen, aus dem das Kind kommt", sagt Norbert Scheiwe vom Bundesverband für Eltern ausländischer Adoptivkinder. "Dass Kind muss auf sein neues Zuhause gut vorbereitet sein - und dann ist es Aufgabe der Eltern, dass es sich gut bei ihnen einlebt. Egal ob die Eltern Schröder oder Müller heißen."
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