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Antibiotika-Einsatz bei der Hühnermast
Wie NRW Massentierhaltung verbessern will

Antibiotika-Einsatz bei der Hühnermast: Wie NRW Massentierhaltung verbessern will
Fast jedes Huhn in NRW-Mastbetrieben wird mit Antibiotikern bekandelt. FOTO: RPO
Düsseldorf. Einer Studie zufolge werden 96,4 Prozent der Tiere in Mastbetrieben in NRW Antibiotika verabreicht. Diese Art von Massentierhaltung könne keinen Bestand mehr haben, sagt NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) und fordert kleinere Betriebe sowie längere Mastzeiten. Von Detlev Hüwel und Christian Schwerdtfeger

Antibiotika werden in nordrhein-westfälischen Geflügel-Mastbetrieben noch stärker eingesetzt als zunächst von der rot-grünen Landesregierung befürchtet. Nach Angaben von NRW-Umweltminsiter Johannes Remmel werden 96,4 Prozent der Tiere Antibiotika verabreicht. Der Grünen-Politiker beruft sich auf eine neue Studie seines Hauses, wonach lediglich 3,6 Prozent der gemästeten Tiere nicht antibiotisch behandelt werden. Vor zwei Wochen war in einem Zwischenbericht "nur" von 83 Prozent die Rede.

Der Einsatz von Antibiotika zu Mastzwecken sei zwar europaweit verboten, aber auch in Deutschland gehöre er offenbar zum Standard, betonte Remmel. Aus medizinischen Gründen dürften Präparate ins Futter gemischt werden. Die Abgrenzung fällt anscheinend in eine Grauzone.

Die Entscheidung über den Einsatz von Antibiotika fällt nach Aussagen des Ministeriums der jeweilige Tierarzt – der allerdings auch den Betrieben die Medikamente zur Verfügung stelle. Remmel wollte dies ausdrücklich nicht bewerten – "ich stelle nur Sachzusammenhänge fest", meinte er mit süffisantem Unterton.

Remmel forderte die Bundesregierung auf, endlich klare Rechtsgrundlagen zu schaffen, um mittelfristig Antibiotika aus den Ställen zu verbannen. Es müsse jetzt strengere Auflagen für die Hühnerzüchter geben. Falls der Bund nicht handle, werde NRW eine Bundesratsinitiative starten, sagte der Minister und fügte hinzu, der ganze Vorgang verursache bei ihm "dauerhafte Übelkeit".

Er habe zwar auch keine Patentlösung parat, aber vermutlich müsse man auf kleinere Mastbetriebe und längere Mastzeiten setzen: "Wer länger mästet, kann auf Antibiotika verzichten." Es sei jedenfalls ein "Irrsinn", dass die Hähnchen innerhalb von 30 bis 35 Tagen 1,6 Kilo bis zur Schlachtreife zunehmen müssten.

Ganz ohne Antibiotika arbeiteten der Studie zufolge die fünf überprüften Bio- und sieben so genannten Kikokbetriebe, in denen die Tiere auf Stroh gehalten werden mehr Platz und Sonnenlicht im Stall bekommen. Alle Angaben seien in anonymisierter Form erfolgt, sagte Remmel. Er gehe davon aus, dass die Kreisveterinärbehörden, die unterrichtet seien, nun ihre Kontrollen verstärkten.

Karl-Friedrich Kottsieper, Vorsitzender des Geflügel-Wirtschafts-Verbandes, sagte, er nehme die Studie sehr ernst. "Wir wollen im Zuge eines Runden Tisches mit allen Beteiligten daran arbeiten, Missstände abzustellen." Helmut Born (Deutscher Bauernverband) und Thomas Janning (Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft) betonen: "Wir wollen Krankheiten bei den Tieren vermeiden und so den Antibiotikaeinsatz deutlich reduzieren." In Abstimmung mit der Tierärzteschaft wollten die Verbände dafür sorgen, dass der Antibiotikaeinsatz weiter reduziert wird. Der Tierschutz gebiete es jedoch, erkrankte Tiere auch weiterhin zu behandeln.

Scharfe Kritik an der Praxis der Geflügelzüchter üben die Umweltverbände. Die "Geflügellobby" sei bedrohlich für den Verbraucher, kritisierte der Naturschutzbund (Nabu). Dass Masthähnchen während ihres kurzen Lebens verschiedene Antibiotika verabreicht bekämen, sei gefährlich. Arzneimittel dürfe es nur in Ausnahmen geben, unterstreicht auch CDU-Fraktionschef, Karl-Josef Laumann: "Sollten bestehende Strukturen nicht stimmen, müssen wir sie ändern."

Quelle: RP
 
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