Verschärfte Kontrolle der Achsen angeordnet: Wieder Probleme mit dem ICE
VON KLAUS PETER KÜHN - zuletzt aktualisiert: 15.08.2008 - 07:23Düsseldorf (RP). Die Debatte um die Sicherheit der ICE-3-Züge spitzt sich zu. Das Eisenbahnbundesamt ordnete fünf Wochen nach dem Kölner Unfall für einen weiteren Zugtyp verschärfte Kontrollen der Achsen an.
Die oberste Aufsichtsbehörde für den Schienenverkehr sorgt sich um die Sicherheit von insgesamt 17 Hochgeschwindigkeitszügen des Typs „ICE 3M“. Das M steht für Mehrstrom-System. Das heißt, diese Züge können auch die Stromsysteme in den Niederlanden, Belgien und Frankreich nutzen. Sie fahren deshalb vor allem nach Amsterdam und Brüssel, zum Teil auch nach Paris.
Abgesehen vom Mehrgewicht durch die zusätzliche elektrische Ausrüstung unterscheiden sich diese Züge durch einen anderen Achstyp von der Serien-Bauart, zu der der in Köln am 9. Juli verunglückte Zug gehört.
Der Unterschied liegt im Werkstoff, aus dem die Achse besteht, erläuterte eine Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes unserer Zeitung. Die gebrochene Achse von Köln bestand aus der Legierung „Cr34 Ni Mo6“. Alle 67 damit ausgerüsteten Züge sind nach dem Unfall mit Ultraschall auf Risse in den Achsen untersucht worden. Das Eisenbahnbundesamt setzte zudem durch, dass die Bahn diese Kontrollen derzeit wieder alle 60.000 und nicht mehr nur alle 300.000 Kilometer durchführt.
Ergebnis fiel offenbar nicht gut aus
Die Ingenieure des Eisenbahnbundesamtes überprüften vor diesem Hintergrund auch die Achsen aus dem Werkstoff „A4T“ der Mehrsystem-Züge. Das Ergebnis fiel offenbar nicht gut aus. Die Behörde verfügte am Dienstag, dass auch für diese „ICE 3-Radsatzwellen“ ab sofort Ultraschallprüfungen „in einem verkürzten Prüf-Intervall durchzuführen“ sind.
Die Deutsche Bahn hatte im Vorfeld einige andere Vorschläge gemacht, um die Belastung der Achsen in den Mehrsystem-ICE zu senken. In den besonders schweren Motorwagen der Züge sollte eine Toilette stillgelegt werden. Der Verzicht auf den Wasservorrat hätte rund 700 Kilogramm Gewichtsersparnis gebracht. Auch der Verzicht auf den Einsatz einer hochwirksamen und hochmodernen Bremse, die berührungslos mit elektrischen Feldern funktioniert, sollte zur Entlastung bestimmter Achse beitragen. Von diesen Vorschlägen hält die Behörde offenbar wenig, in dem Bescheid sind sie nicht aufgeführt.
Die Deutsche Bahn erklärte, die uneingeschränkte Betriebssicherheit der jetzt zusätzlich zu überprüfenden Achsen stehe außer Frage. Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch sagte, sowohl die Hersteller der Achsen als auch sein Unternehmen „gehen von einer uneingeschränkten Sicherheit der ICE-Flotte aus“.
Mit Blick auf das Unglück von Köln hält es Rausch für nicht sachgerecht, „von einem einzelnen Bruch, dessen Ursachen noch nicht feststehen, auf die Unsicherheit aller Achsen zu schließen“. Einige Experten zweifeln allerdings daran, dass die Achsen dem Einsatz mit Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h auf Dauer gewachsen sind.
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