ICE-Unfall: Wieder schwere Vorwürfe gegen die Deutsche Bahn
zuletzt aktualisiert: 15.07.2008 - 19:03Frankfurt/Main (RPO). Schwere Vorwürfe gegen den Schienen-Konzern: Die Deutsche Bahn hat einem Bericht zufolge zu einer sofortigen Überprüfung der baugleichen Züge gedrängt werden müssen. Das sei falsch, erklärte ein Sprecher am Dienstag.
Die "Junge Welt" schrieb, das Eisenbahnbundesamt (EBA) als Aufsichtsbehörde habe den Konzern erst dazu drängen müssen, nach dem ICE-Unfall von Köln sofort alle baugleichen Züge per Ultraschall zu überprüfen. "Wir weisen das klar zurück", sagte Bahnsprecher Jürgen Kornmann und bezeichnete den Bericht am Dienstag als "absoluten Blödsinn". Die Durchführung der Ultraschallprüfungen sei eine Entscheidung der Bahn gewesen, betonte ein Sprecher auf Nachfrage. Zwar habe man nach der Entscheidung ein EBA-Schreiben erhalten. Dies sei allerdings rein formaler Natur gewesen.
Der Bahnvorstand war dem Medienbericht zufolge nach dem Unfall im Kölner Hauptbahnhof am Mittwoch vergangener Woche, bei dem ein ICE 3 aus dem Gleis gesprungen war, zunächst nicht zu den Prüfungen bereit. Daher habe das EBA die Untersuchungen angeordnet. Am Freitag sei dem Konzern ein entsprechender Bescheid übermittelt worden. Demnach seien alle im Einsatz befindlichen ICE 3, die seit der jüngsten Ultraschallüberprüfung mehr als 60 000 Kilometer Laufleistung hinter sich hatten, "aus dem Betrieb zu nehmen" und "als Leerzug in eine Werkstatt zur Durchführung von Ultraschallprüfungen" auf "Rißfreiheit" zu überführen, zitierte die Zeitung aus dem Bescheid.
Wie das Blatt weiter berichtete, hat auch nicht die Bahn selbst entschieden, in Zukunft die ICE 3 wieder häufiger Ultraschallprüfungen zu unterziehen. Vielmehr zwinge das EBA per Bescheid, "Ultraschallprüfungen der Triebsatzwellen wiederkehrend in einem Prüfintervall von 60 000 km durchzuführen". Dies sei bis Mitte 2003 üblich gewesen. Dann aber habe die Bahn das "Projekt Express" verkündet. Danach seien Ultraschallprüfungen nur noch nach 300 000-Kilometer-Intervallen durchgeführt worden. Ausdrücklich sei dies damit begründet worden, dass auf diese Weise "Einsparungen in Höhe von 151 Millionen Euro jährlich" erzielt werden sollten und die Bahn börsenfähig gemacht werden solle.
Fast zeitgleich zwei Notbremsen gezogen
Der in Köln entgleiste ICE ist von zwei Bahn-Mitarbeitern fast gleichzeitig per Notbremse gestoppt worden. Einer der Männer sei im Dienst, der andere als Reisender in dem Zug gewesen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Man wolle beide als Zeugen befragen. "Wir interessieren uns dafür, was sie bemerkt oder gehört haben."
In den vergangenen Tagen hatten Berichte für Verwirrung gesorgt, nach denen ein Mitreisender und nicht ein Bahnangestellter die Notbremse zog. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts auf Gefährdung des Bahnverkehrs.
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