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Nach vereiteltem Amoklauf von Köln: "Wir haben echt verdammtes Glück gehabt"

zuletzt aktualisiert: 19.11.2007 - 15:19

Köln (RPO). Die Gefahr ist gebannt, der Schrecken bleibt. Am Morgen nach dem Bekanntwerden des geplanten Amoklaufs zweier Schüler ist das Georg-Büchner-Gymnasium im Kölner Stadtteil Weiden leer. Kein Getümmel auf dem Schulhof, keine lauten Gespräche, kein Licht, das aus den Klassenzimmern strahlt. Die Schule ist geschlossen.

Dennoch finden einige Schüler den Weg zu ihrem Gymnasium - eine Mischung aus Erleichterung und Entsetzen hat sie getrieben. "Ich weiß nicht, ob ich da jemals wieder ohne Angst reingehen kann", sagte der 13-jährige Mahdi Bagheri mit einem Blick auf das Schulgebäude. "Wir haben echt verdammtes Glück gehabt."

Mit zwei Armbrüsten, möglicherweise aber auch mit Molotow-Cocktails und Rohrbomben, wollten zwei Zwölftklässler nach den Ermittlungen der Polizei am Dienstag, dem Jahrestag des Amoklaufs in Emsdetten, ihre Schule stürmen und ein Blutbad anrichten. Doch konnte die Polizei die Tat nach Hinweisen von Mitschülern verhindern. Der 17-Jährige beging nach Auffliegen der Pläne Selbstmord, der 18-Jährige wurde festgenommen.

Am Montag war das Schulgebäude von Sicherheitskräften abgeschirmt. Die Lehrer hatten sich zu einer "außerordentlichen Dienstbesprechung" hinter die dicken Schulmauern zurückgezogen, um das Unglaubliche für sie begreifbar zu machen. "Wir mussten erst mal Luft holen und das Ganze verarbeiten", sagte Schulleiterin Beatrix Görtner. "Die Ängste und die Betroffenheit sind groß."

Doch auch vereinzelte Schüler, die sich zu dem Gebäude wagten, waren geschockt: "Als mein Lehrer am Sonntag bei uns zu Hause angerufen hat, wollte ich es gar nicht glauben; ich hätte doch nie gedacht, dass so etwas mal auf meiner Schule passiert," sagte der 14-jährige Tajaw Sedaghat. Ungläubig starrte er auf die verschlossene Schultür. "Wer weiß, ob die nicht doch noch Komplizen hatten, da bleibt echt ein komisches Gefühl."

"Das waren zwei komische Typen"

Schulleiterin Görtner, die die beiden mutmaßlichen Amokläufer bis vor einem Jahr selbst unterrichtete, erzählt, beide Schüler hätten nichts bemerkenswert Beunruhigendes an sich gehabt. "Der 17-Jährige war ein zurückhaltender, aber unauffälliger junger Mann mit einem normalen Freundeskreis und normalem Elternhaus", erklärte sie. Seine Schwester habe bis zu ihrem erfolgreichen Abitur vor zwei Jahren ebenfalls das Georg-Büchner-Gymnasium besucht.

Der 18-Jährige sei deutlich introvertierter gewesen, aber außer durch seine häufig schwarze Kleidung nicht besonders auffällig gewesen. "Insgesamt gab es keine Veranlassung, besondere Sorgen zu haben, aber natürlich fragen wir uns jetzt alle, ob wir nicht was übersehen haben", sagte die Schulleiterin.

Unter den Schülern kochte die Gerüchteküche bereits am Tag nach Bekanntwerden der Pläne hoch: "Das waren schon zwei komische Typen, die immer alleine auf dem Schulhof standen und ziemlich oft von den anderen angemacht wurden", sagte eine 14-jährige Schülerin, die ihren Namen nicht nennen wollte. Ihre Freundin erklärte sogar: "Wir haben schon öfter darüber nachgedacht, dass das eigentlich zwei typische Amokläufer-Typen wären." Einer der beiden Jungs hätte "immer so einen dunklen schwarzen Matrix-Mantel" getragen.

Auch die Polizei sprach zumindest bei dem 18-Jährigen von einem Jugendlichen, der in das Raster der bisher beobachteten Amokläufer passe: Er habe in der Schule Probleme gehabt, sei ein Einzelgänger gewesen und habe sich von seinen Mitschülern gemobbt gefühlt. Das Motiv der Tat war nach den Worten von Oberstaatsanwalt Alf Willwacher, dass sich beide Schüler in der Schule ungerecht behandelt gefühlt hätten.

Die nordrhein-westfälische Schulministerin, die das Gymnasium am Montag besuchte, lobte derweil ausdrücklich das aufmerksame Verhalten der Schüler, die die Polizei mit ihren Hinweisen erst auf den geplanten Amoklauf aufmerksam gemacht hatten. "Das war kein Petzen, sie haben Leben gerettet", erklärte sie. Sie wolle den Schülern in einem persönlichen Gespräch dafür danken, kündigte Sommer an. Ich bin einfach nur froh, dass dadurch alles so glimpflich abgelaufen ist."

Bevor das Georg-Büchner-Gymnasium jedoch zum normalen Schulalltag zurückkehren wird, dürfte noch einige Zeit vergehen. Am Dienstag soll der reguläre Schulbetrieb zwar wieder aufgenommen werden, doch zunächst wartet ein Team aus Psychologen und Seelsorgern auf die rund 900 Schüler. "Wir müssen ihnen alle Rede und Antwort stehen", sagte Schulleiterin Görtner. In einer solchen Situation dürfe kein Schüler allein gelassen werden.

Quelle: ap

 
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