Unicef wehrt sich gegen Untreue-Vorwürfe: "Wir hatten nur Schwächen in der Bürokratie"
zuletzt aktualisiert: 04.02.2008 - 15:11Köln (RPO). Das Kinderhilfswerk Unicef Deutschland hat sich nach Kritik von Wirtschaftsprüfern und seiner Ex-Vorsitzenden Heide Simonis gegen Vorwürfe der Untreue gewehrt. Es habe keinerlei Missbrauch von Spendengeld gegeben, sagte Rudi Tarneden, Sprecher des UN-Kinderhilfswerks. "Wir hatten lediglich Schwächen in der Bürokratie", betonte er.
Zum Beispiel seien nicht alle Verträge doppelt gegengezeichnet worden, sagte Tarneden. Diese Verstöße gegen interne Regeln, die von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in einem Gutachten aufgezeigt worden seien, habe Unicef aber von Anfang an eingeräumt.
KPMG habe diese Fehler als "Unregelmäßigkeiten" bezeichnet, der Unicef sei dieses Wort dagegen zu hart gewesen, sagte Tarneden. "Das eine ist Wirtschaftsprüferdeutsch, das andere normales Deutsch", sagte der Sprecher.
Im Januar hatte sich der Unicef-Vorstand in einer gemeinsamen Erklärung zu dem Gutachten geäußert und unter anderem zusammengefasst, es habe "keine Unregelmäßigkeiten" gegeben. Dieser Formulierung habe KPMG damals zugestimmt, sagte Tarneden. "Nun versucht man, mit diesem Wort Politik zu machen", kritisierte er.
Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe) wirft KPMG dem Kinderhilfswerk vor, den Prüfbericht nicht wahrheitsgemäß dargestellt zu haben. Unicef dürfe nicht weiterverbreiten, es habe keine Unregelmäßigkeiten gegeben, verlangten die Wirtschaftsprüfer dem Blatt zufolge in einem Brief an die Organisation.
In der Zusammenfassung der Sonderuntersuchung sei "sehr klar von Verstößen die Rede" und dabei handele es sich durchaus um Unregelmäßigkeiten, heißt es darin. Auf Anfrage wollte sich KPMG nicht zu dem Streit äußern.
Die mittlerweile zurückgetretene Unicef-Vorsitzende Heide Simonis sagte, der KPMG-Bericht zeige klare "Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip und Schriftform von Verträgen". Dies seien Verletzungen von Regeln, die "unverzichtbar" seien, "damit man Abläufe nachvollziehen kann", sagte Simonis.
Zu der Kritik ihrer früheren Vorsitzenden wollte sich Unicef nicht äußern. "Wir können nachvollziehen, dass Frau Simonis vielleicht verbittert ist", sagte Tarneden. Es solle aber keine zusätzliche Kontroverse angeschoben werden. Auch einen Bericht der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe), wonach Simonis vom Unicef-Vorstand zum Rücktritt gedrängt worden sein soll, kommentierte der Sprecher nicht. "Es hat da eine sehr eindeutige Haltung gegeben", sagte er, "mehr kann ich dazu nicht sagen."
Die Vorwürfe wegen undurchsichtiger Beraterverträge und Verschwendung von Spendengeldern richten sich vor allem gegen UNICEF-Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln wegen eines Anfangsverdachts der Untreue.
Nach dem Rücktritt von Simonis auf einer Krisensitzung am Samstag in Frankfurt am Main hatte der Unicef-Vorstand Garlichs erneut das volle Vertrauen ausgesprochen. Rückendeckung bekam er auch vom Übergangsvorsitzenden Reinhard Schlagintweit. Garlichs habe sicher "manches falsch beurteilt", aber er habe "nichts Unrechtes getan", sagte Schlagintweit.
Ihm könne nichts "in Richtung Verschwendung und Unregelmäßigkeit" vorgeworfen werden. Ein Neuanfang mit Garlichs sei daher "absolut" möglich.
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