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Duisburg
Wirbel um Nackt-Spielgruppe im Kindergarten

Duisburg (RP). Mehrere Kinder haben in einer Duisburger Kita monatelang unbekleidet gespielt. Dabei soll es zu einem Übergriff gekommen sein. Derzeit boykottieren zwei Drittel der Eltern die Kita, die Leiterin ist ihren Job los.

Kurz nach den Sommerferien ging es los. Mehrere Kinder in der Städtischen Kindertagesstätte Josefstraße in Walsum fingen damit an, nackt durch die Einrichtung zu toben nach Wochen voller Urlaubsleichtigkeit an sich nichts Ungewöhnliches. Da sich andere Kinder dadurch jedoch gestört fühlten, reservierten die Erzieher einen separaten Raum für diejenigen, die ­ unter Aufsicht ­ unbekleidet herumlaufen wollten. Doch fatalerweise waren nur die Eltern der sechs "Nacktspieler” eingeweiht. Die Folge: Drei Monate später boykottieren zwei Drittel aller Eltern die Einrichtung, böse Gerüchte machen die Runde ­ und die Kita-Leiterin ist ihren Job los.

Stein des Anstoßes

"Ein Junge will einen anderen dabei beobachtet haben, wie er ein Mädchen bewusst sehr unsittlich berührte”, beschreibt Stadtsprecherin Anja Huntgeburth den Stein des Anstoßes. Als dieses Kind seiner Mutter davon berichtete, kam der Stein ins Rollen: Auf einem Treffen am Mittwoch, als die Erzieher mit den Eltern diskutieren wollten, kommt es zu tumultartigen Szenen, aufgebrachte Eltern sprechen von "Pornographie”. "Wäre von vornherein die gesamte Elternschaft informiert worden, wäre schnell klar geworden, dass es keinen Rückhalt für diese Idee gibt. Dies wurde leider versäumt”, sagt Huntgeburth.

Die Stadt betont, dass das "Projekt” ohne Einverständnis oder Wissen des Jugendamtes lief. "Wir bedauern das zutiefst und haben die ganze Sache sofort gestoppt”, so Huntgeburth. Dennoch sei den Erziehern keine böse Absicht zu unterstellen: Sie hätten "zu 68er-mäßig gedacht” und versucht, den Kindern einen unbefangenen Umgang mit Nacktheit zu ermöglichen. Mit den eingeweihten Eltern seien Regeln genau abgesprochen gewesen, die Spielgruppe sei altershomogen, unsittliches Berühren tabu gewesen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass sich Erzieher an den nackt spielenden Kindern delektierten. "Die beiden männlichen Erzieher waren bei dem Projekt ohnehin nicht mit dabei”, so Huntgeburth.

Vertrauen der Eltern

Es gehe nun in erster Linie darum, das Vertrauen der Eltern zurückzugewinnen, sagt Jugendamtsleiter Thomas Krützberg ­ denn augenblicklich kommen nur 40 von 120 Kindern in die Kita, die restlichen Eltern boykottieren die Einrichtung. Gestern sprach das Amt mit dem Elternbeirat, am Mittwoch soll es eine weitere Versammlung geben. Stundenweise ist derzeit zudem ein Supervisor des Jugendamtes in der Einrichtung, um die Wogen zu glätten. Die Zeichen stehen auf Entspannung. "Es soll Ruhe hineinkommen, da möchten wir nicht weiter drin herumstochern”, sagte ein Mitglied des Elternbeirats gestern. Dennoch werde es wohl weitere personelle Konsequenzen geben, heißt es von Seiten der Stadt. Die Leiterin der Kita sei bereits von ihrer Aufgabe entbunden worden.

Angesichts eines Ausländeranteils von zwei Dritteln in dem Kindergarten ist das Thema auch bereits von türkischen Medien aufgegriffen worden. Unter der Überschrift "Wir schicken unsere Kinder nicht mehr in diese Kita” berichtet die Tageszeitung "Hürriyet” über den Vorfall und zitiert in ihrem Bericht Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, der sich bei den Eltern entschuldigt hat. "Noch hat niemand sein Kind abgemeldet, das ist ein Hoffnungsschimmer”, so Huntgeburth. Deswegen hoffe man, das Schlimmste noch einmal abwenden zu können.

Auch Strafanzeigen wurden bislang noch nicht gestellt. Aber: "Die Polizei hat in der Kindertagesstätte Beschwerden der Eltern gesammelt. Die werden wir in den kommenden Tagen rechtlich prüfen”, sagt Detlef Nowotsch, Sprecher der Staatsanwaltschaft Duisburg.

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