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Attacke in Würzburg
Axt-Angreifer wollte "Ungläubige" töten

Mann greift Reisende in Regionalzug an
Mann greift Reisende in Regionalzug an FOTO: ap, fpt
Würzburg. Ein 17-jähriger afghanischer Asylbewerber ruft "Allahu akbar" und attackiert in der Nähe von Würzburg fünf Menschen mit einem Beil. Der IS veröffentlicht sein Bekenner-Video. Der Täter war im Juni 2015 unbegleitet ins Land gekommen. Von Gregor Mayntz

Nach der Attacke eines 17-jährigen Asylbewerbers aus Afghanistan schweben zwei seiner Opfer in Lebensgefahr. Drei weitere erlitten schwere Verletzungen, als der bislang unauffällige Flüchtling mit einem Messer und einer Axt in einem Regionalzug bei Würzburg auf vier Touristen aus Hongkong einschlug. Auf seiner Flucht durch die Main-Aue überfiel er eine Spaziergängerin. Als er auch auf Polizisten eines Spezialeinsatzkommandos losging, wurde er aus rund einem Meter Entfernung erschossen.

Die Staatsanwaltschaft sprach von "unbedingter Tötungsabsicht" des Täters. Er habe auf Körper und Köpfe seiner Opfer eingeschlagen und dabei "sehr drastische" Verletzungen angerichtet. Die Polizei fand in seinem Zimmer einen Schreibblock mit dem Symbol des Islamischen Staats und einem Abschiedsbrief an seinen Vater, den er darin bat, für ihn zu beten, damit er "die Ungläubigen töten" könne und in den Himmel komme. Die Tat sei politisch motiviert, sagte Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager.

Seit einem Jahr in Asyleinrichtung in Ochsenfurt

Nach Erkenntnissen der Ermittler war der junge Mann im Juni 2015 als unbegleiteter Minderjähriger nach Deutschland gekommen. Nach einem Bericht des ZDF besteht der Verdacht, dass er in Wahrheit Pakistaner war und sich als Afghane ausgab, um seine Asylchancen zu erhöhen. Seit einem Jahr lebte er in einer Asyleinrichtung in Ochsenfurt; vor zwei Wochen war er in eine Pflegefamilie gekommen. Der IS veröffentlichte ein Video des Täters. Der Jugendliche sagt darin: "Ich bin ein Soldat des Kalifats und beginne eine heilige Operation." Das Video sei authentisch, teilte am Abend das bayerische Innenministerium mit.

Der 17-Jährige soll am Montagabend in Ochsenfurt den Regionalzug nach Würzburg bestiegen haben. Im Zug traf er laut Staatsanwaltschaft auf eine Mitarbeiterin des Asylheims; danach habe er seine Attacke begonnen. Durch die Schreie der Opfer aufmerksam geworden, rief die Frau die Polizei. Auf der Aufzeichnung des Notrufs sei deutlich zu hören, dass der Mann "Allahu akbar" ("Gott ist groß") rief – nach Zeugenaussagen dreimal.

Den per Notbremse gestoppten Zug habe er über den Notausstieg verlassen und dann mit der Axt auf eine Frau eingeschlagen, die mit ihrem Hund und einer Freundin spazieren ging. Als zwei Beamte einer Spezialeinheit der Polizei das Gestrüpp am Mainufer durchsuchten, sei der Täter mit erhobener Axt auf sie zugelaufen. Sie hätten aus drei bis vier Armlängen Entfernung etwa vier Schüsse abgegeben. Ein Schuss in die Stirn sei vermutlich tödlich gewesen. Weitere Zeugen gebe es nicht. Oberstaatsanwalt Bodo Backert betonte, dass die Beamten als Zeugen, nicht als Verdächtige behandelt würden. Es habe die Gefahr bestanden, sagte er, dass der Täter in seinem "Rausch" weitere Personen angreifen würde.

SPD-Politiker sieht anhaltende Bedrohung durch solche Bluttaten

Weil sie das Vorgehen der Polizei hinterfragte, löste die Grünen-Politikerin Renate Künast Entrüstung aus. "Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden? Fragen!", schrieb die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses beim Kurznachrichtendienst Twitter. Sie stelle sich damit auf die Seite des Täters – das sei "pervers", kommentierte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, sprach von "parlamentarischen Klugscheißern".

"Zutiefst geschockt" zeigte sich Innenminister Thomas de Maizière (CDU). Seine Gedanken seien bei den Verletzten, für deren Genesung er bete. "Diese Art von Terror bleibt in den nächsten Jahren unser Begleiter", sagte SPD-Innenexperte Burkhard Lischka. Umso wichtiger seien verstärkte Anstrengungen für Präventionsprogramme sowie weitere erhebliche Personalaufstockungen bei den Sicherheitsbehörden um "mindestens 3000 Stellen".

Quelle: RP
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