Schüler griffen Lehrerin an: "Wut und Frust" mögliches Tatmotiv
zuletzt aktualisiert: 19.11.2009 - 16:22Bergkamen (RPO). Nach dem gewaltsamen Übergriff auf eine Lehrerin an einer Schule in Bergkamen hat die Staatsanwaltschaft Dortmund am Donnerstag Haftbefehl gegen die beiden 14 und 16 Jahre alten Tatverdächtigen beantragt.
Der Haftrichter werde darüber im Laufe des Tages entscheiden, sagte Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. Motiv für den Übergriff war nach Angaben von Schulleiter Rüdiger Weiß vermutlich "Wut oder Frust" des 16-Jährigen darüber, dass er vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossen worden war.
Laut Schulleiter hatte der 16-Jährige für fünf Tage Hausverbot an der Hauptschule erhalten, weil er Mitschüler mehrfach verbal bedroht hatte. Die angegriffene Lehrerin habe für den Ausschluss plädiert, sagte Weiß. Beide Jugendlichen waren laut Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzungs- und Raubdelikten bereits vor der Tat polizeibekannt. Der 14-Jährige ist kein Schüler der Schule.
Der 16-Jährige war am Mittwoch mit seinem 14-jährigen Freund in den Deutschunterricht seiner neunten Klasse eingedrungen. Die Jugendlichen bedrohten die Lehrerin mit einer Schreckschusspistole. Ob dabei auch Schüsse abgegeben wurden, wie Zeugen berichteten, ist nach wie vor unklar. Die Jugendlichen schlugen der Lehrerin zudem ins Gesicht. Die Schüler und die Lehrerin flohen daraufhin aus dem Klassenzimmer.
Auch die beiden Jugendlichen flüchteten. Sie wurden später festgenommen. Die Lehrerin erlitt leichte Verletzungen, zwei Schülerinnen standen nach dem Vorfall unter Schock.
Lehrerin war sehr beliebt
Die Lehrerin hatte den Angaben zufolge nach ihrer Ausbildung erst im Sommer ihre Tätigkeit an der Hauptschule begonnen. Laut Weiß war sie bei den Schülern sehr beliebt. Der 16-jährige Tatverdächtige habe sie allerdings nicht respektiert. Laut Weiß ist er bereits mehrmals aufgefallen, weil er Probleme mit weiblichen Lehrkräften hatte und deren Autorität nicht anerkannte.
Wegen Verdachts eines Amoklaufs war die Polizei am Mittwoch mit einem Großaufgebot im Einsatz und hatte die Schule mit rund 320 Schülern evakuiert. Der Schulleiter hatte nach eigenen Angaben die Polizei informiert, nachdem er zufällig gesehen hatte, dass der 16-Jährige trotz Hausverbots die Schule betrat und auf sein Rufen hin nicht reagierte.
An der betroffenen Hauptschule fand am Donnerstag kein regulärer Unterricht statt. Schüler und Lehrer wurden von Psychologen betreut. Die Schüler hätten den Vorfall "ganz gut verkraftet", sagte der Schulleiter. Am Freitag solle wieder mit dem Unterricht begonnen werden.
Nordrhein-Westfalens Schulministerin Barbara Sommer (CDU) war am Donnerstag in die Schule gekommen, um mit Schülern zu sprechen. Das Land schickte nach Angaben eines Sprechers fünf Psychologen an die Hauptschule. Sommer besuchte am selben Tag auch die verletzte Lehrerin im Krankenhaus.
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