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Missbrauchs-Skandal in katholischer Kirche
Zahl der Opfer offenbar sehr viel höher

Chronik zum Missbrauch an Jesuitenschulen
Chronik zum Missbrauch an Jesuitenschulen FOTO: APN
Berlin (RPO). Im Fall des Missbrauchs in katholischen Bildungseinrichtungen muss offenbar von weit höheren Zahlen von Opfern und Tätern ausgegangen werden als bisher bekannt. Das erklärte die Vorsitzende des Vereins ehemaliger Heimkinder e.V., Monika Tschapek-Güntner.

Tschapek-Günter sagt der  "Berliner Zeitung": "Wir können die Zahl der Opfer gar nicht überschauen. Durch den Skandal um die Jesuitenschulen melden sich täglich auch bei uns weitere Betroffene."

Sie erklärte, dass rund 70 Prozent der 450 Vereinsmitglieder sexuellen Missbrauch in einem Erziehungsheim erlitten hätten, meist in den 50er- bis 70er-Jahren." Zirka 80 Prozent unserer Mitglieder waren in katholischen Heimen, die anderen in evangelischen oder staatlichen Heimen."

Demnach handelt es sich um mindestens 250 mutmaßliche Opfer katholischer Erzieher, meistens Ordensbrüder, die bisher nirgends erwähnt werden. Hinzu kommen laut Tschapek-Güntner zahlreiche frühere Heimkinder, die die Hilfsangebote in Anspruch nähmen und ebenfalls von erlittener sexualisierter Gewalt berichteten, aber dem Verein nicht beigetreten seien.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) fordert unterdessen erneut mehr Rechte für die Opfer sexuellen Missbrauchs. Bisher verjährten deren Entschädigungsansprüche meist schon drei Jahre nach dem 21. Geburtstag des Opfers, "das ist oft zu kurz", sagte die Justizministerin der Zeitung. Anders als bei strafrechtlichen Verjährungsfristen stehe sie einer Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährungsfristen positiv gegenüber.

Da die aktuell diskutierten Missbrauchsfälle in katholischen Schulen schon Jahrzehnte zurücklägen, solle sich der von ihr geforderte Runde Tisch auf Zahlungen einigen, als "Zeichen an die Opfer".

(DDP/das)
 
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