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Verfassungsschutz warnt
"Zahl der Salafisten in NRW hat sich verdoppelt"

Verfassungsschutz warnt: "Zahl der Salafisten in NRW hat sich verdoppelt"
Burkhard Freier hat die neuen Zahlen zum Salafismus in NRW vorgestellt. FOTO: dpa, nenministerium NRW
Düsseldorf. Radikale Salafisten haben in Nordrhein-Westfalen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes unvermindert Zulauf. Er rechne damit, dass die salafistische Szene an Rhein und Ruhr weiter anwachse, erklärte der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, am Donnerstag vor dem Innenausschusses des Landtags.

Alleine im letzten Jahr habe sich die Zahl der fanatischen Islamisten landesweit auf 1000 nahezu verdoppelt. Etwa 100 dieser Salafisten gelten laut Freier als "gewaltbereite Jhihadisten", die sich dem "heiligen Krieg" verschrieben hätten. Deutschland und deutsche Einrichtungen stünden als potenzielle Anschlagsziele "nach wie vor im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus".

Zwischen Februar und November vergangenen Jahres sind nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden 20 Salafisten aus NRW in pakistanische Trainingscamps der terroristischen Al-Kaida ausgereist. Wenn diese radikalen Islamlisten in die Bundesrepublik zurückkehrten, gehe von ihnen eine potenzielle Anschlagsgefahr aus, so der Verfassungsschutz-Chef. Deshalb stünden solche Rückkehrer unter permanenter Beobachtung der Behörden. Von den 850 Moscheen in Nordrhein-Westfalen seien derzeit etwa 20 im Visier des Verfassungsschutzes, weil dort gewaltbereite Salafisten und Hassprediger verkehrten. Eine strukturelle Verbindung zu den Moscheegemeinden bestehe in der Regel aber nicht, erklärte Freier. Diese gingen zu offenkundigen Salafisten "auf deutliche Distanz".

Als Hochburgen des Salafismus nannte der NRW-Verfassungsschutzchef die Städte Aachen, Bonn, Köln, Düsseldorf, Bochum, Wuppertal und Solingen. Vor allem in Hochschulstädten rekrutierten die radikalen Islamisten ihre Anhängerschaft. Die Salafisten seien in "Netzwerken" organisiert, die aus dem Ausland, zumeist aus Ägypten, Syrien oder dem Jemen, gesteuert würden. Zudem gebe es aber auch "radikalisierte Einzelpersonen", die über das Internet angeworben worden seien.

Zehn Prozent der Salafisten in NRW sind laut Freier Konvertiten. Ihre "gefährliche Propaganda" verbreiteten die islamistischen Extremisten über "verführerische Videos" im Internet. Vor allem junge Menschen aus schwierigen Familienverhältnissen und Milieus rutschten in den Salafismus ab, weil sie dort "Anerkennung, Geborgenheit und ein Wir-Gefühl" fänden.

(KNA/felt)
 
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