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Kritik an erfolgloser Ursachensuche: Zahl der Salmonellen-Fälle in Fulda steigt weiter

zuletzt aktualisiert: 20.05.2007 - 22:03

Fulda (RPO). Die Ende April begonnene Salmonellen-Epidemie in Fulda wird immer mysteriöser. Inzwischen schließen die Behörden auch eine Sabotage nicht aus. Am Sonntag hat sich die Zahl der Erkrankten um zehn auf insgesamt 252 erhöht. Die Kritik an der erfolglosen Ursachensuche wird immer lauter.

 Foto: ddp
Foto: ddp

Immer noch steigt die Zahl der Salmonellen-Erkrankungen am Klinikum Fulda. Am Samstag wurden dort neun und am Sonntag fünf weitere Fälle nachgewiesen. Damit sind insgesamt in der Klinik 233 Menschen betroffen. Im angeschlossenen Seniorenzentrum ist es beim Stand von 23 Infizierten geblieben. Inzwischen gibt es erste Kritik an der erfolglosen Ursachensuche. Einer solchen Epidemie müsse man schneller auf die Spur kommen, sagte der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), Klaus-Dieter Zastrow, der "Frankfurter Rundschau". Er schloss Sabotage nicht aus.

Am Klinikum haben sich seit Ende April insgesamt 145 Patienten und 88 mit Salmonellen angesteckt. Neue Durchfallerkrankungen, die möglicherweise nicht mit Salmonellen im Zusammenhang stehen, sind bei zwölf Patienten, davon sechs Kinder, und einem Beschäftigten aufgetreten.

Bisher starben acht an Salmonellen erkrankte Patienten und Altenheimbewohner. Als Todesursache nachgewiesen ist die Infektion aber nur in zwei Fällen. In einem dritten Fall gibt es nach Angaben des Klinikums einen mittelbaren Zusammenhang.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikums, Oberbürgermeister Gerhard Möller, schloss Sabotage als Ursache der Massenansteckung nicht aus. Er sagte der "Fuldaer Zeitung": "Auch das haben wir natürlich im Hinterkopf. Es gibt dafür aber bis jetzt keinen Beleg."

Chef machte in der Krise Urlaub

Klinikum-Sprecher Stefan Burkard erklärte, die neu Infizierten hätten sich wahrscheinlich bereits am 11. oder 12. Mai und damit vor Schließung der Großküche angesteckt. Da die Inkubationszeit manchmal etwas länger als sieben Tage dauert, können Burkard zufolge noch bis Montag neue Fälle auftreten. Bis dahin will das Gesundheitsamt auch die Angaben der Erkrankten zu dem, was sie gegessen haben, ausgewertet haben.

Als Hauptübertragungsquelle für Salmonellen gelten Geflügel, rohes Fleisch, Speiseeis, Eier und daraus hergestellte Speisen. In der Großküche des Klinikums wurde bisher vergeblich nach Salmonellen geforscht. DGKH-Sprecher Zastrow sagte, Ansteckungen seien "klar lebensmittelbedingt" und ganz leicht in den Griff zu bekommen. Wenn dann weiter Infektionen aufträten, "dann bleibt eigentlich nur noch Sabotage", sagte er. Die Staatsanwaltschaft Fulda hatte vor wenigen Tagen von Amts wegen Vorermittlungen aufgenommen.

Der Gesundheitsdezernent des Kreises Fulda, Heiko Wingenfeld, wies in einem Interview der "Frankfurter Rundschau" den Vorwurf von Versäumnissen zurück. "Die Klinikleitung hat über das gesetzlich erforderliche Maß hinaus reagiert, beispielsweise die Küche geschlossen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern." Er betonte: "Wir nehmen die Situation absolut ernst, aber sehen auch keinen Anlass für Hysterie." Ein Aufnahmestopp für das Klinikum wäre nicht verhältnismäßig gewesen, sagte der Dezernent. Es lägen keinerlei Anzeichen dafür vor, dass die Hygienevorschriften nicht eingehalten worden seien. Die Erkrankten werden weiterhin auf zwei Stationen isoliert behandelt.

Derweil gerät der Vorstandschef des Klinikums Fulda, Claus-Dieter Schad, in Bedrängnis. Weil er trotz der Krise in seinem Haus eine Woche Urlaub gemacht haben soll, werden Stimmen in der Stadt laut, die seinen Rücktritt fordern.

Die Hotline des Klinikums 0661/846769 ist täglich von 9 bis 16 Uhr zu erreichen.

Quelle: ap

 
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