Von der Leyen: Auseinandersetzung längst überfällig: ZDF-Serie löst Debatte über Überalterung der Gesellschaft aus
zuletzt aktualisiert: 17.01.2007 - 16:23Mainz/Berlin (RPO). Mit seiner am Dienstagabend erstmals gesendeten Serie "2030 - Aufstand der Alten" hat das ZDF eine Debatte über die Überalterung der Gesellschaft ausgelöst. Die Deutsche Hospiz-Stiftung warnte davor, den in der TV-Sendung gezeigten Umgang mit alten Menschen als reine Science-Fiction anzusehen.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte am Mittwoch im ZDF, der Mehrteiler zeige, "wie man es sich vielleicht schlimmstenfalls denken könnte im Jahr 2030". Die Deutsche Hospiz-Stiftung bescheinigte der TV-Produktion "eine brisante Menge an Realität". Die Seniorenpartei "Die Grauen/Graue Panther" kritisierte die Sendung, die fiktive und dokumentarische Elemente enthält, als Verstoß gegen die Menschenwürde. "Das ist das Letzte, was man senden kann", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Dieter Meyer dem Saarländischen Rundfunk.
Von der Leyen betonte im ZDF-Morgenmagazin, noch bleibe Zeit, die Weichen in eine andere Richtung zu stellen als das Fernsehszenario sie aufzeige. Tatsächlich sei eine Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel überfällig. "Wir haben zu lange die Augen davor geschlossen", sagte die Ministerin. Für den Umgang mit der Überalterung der Gesellschaft seien drei Säulen entscheidend. Es müsse dafür gesorgt werden, dass mehr Kinder geboren werden und Zuwandererkinder besser ausgebildet werden. Zudem müssten für ältere Menschen entsprechende Lebensverhältnisse geschaffen werden, sagte von der Leyen. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass die Bundesregierung mit der Förderung von Mehrgenerationenhäusern begonnen habe.
"Mega-Windeln" schon bald Realität
Die Deutsche Hospiz-Stiftung warnte davor, den in der TV-Sendung gezeigten Umgang mit alten Menschen als reine Science-Fiction anzusehen. Für Hilfsmittel wie "Mega-Windeln" für Erwachsene, die nur noch einmal täglich gewechselt werden müssten, sowie Wasch-Straßen für Senioren gebe es in Deutschland schon heute Vermarktungsstrategien, erklärte der Geschäftsführende Vorstand, Eugen Brysch. Es sei Aufgabe der Bundesregierung, zukunftssichere Konzepte vorzulegen, so dass jeder wisse, mit welchen medizinischen und pflegerischen Standards er später zu rechnen habe. Die künftige Gesundheitspolitik müsse ein würdevolles Altern erlauben. "Angesichts der Größe des Problems ist dabei jeder Tag kostbar", mahnte Brysch.
"Das Horrorszenario für das Jahr 2030 verletzt das Grundrecht der Menschenwürde", sagte Meyer Saarländischen Rundfunk. Es müsse dafür gesorgt werden, dass "die Alten auch im Jahr 2030 ein würdiges Dasein führen können". Voraussetzung dafür ist laut Meyer eine finanzielle Grundversorgung, die sich an der geringsten Beamtenpension orientieren müsse. In Deutschland sei nach einem Umbau der Systeme dafür genügend Geld vorhanden.
Das ZDF hatte am Dienstagabend den ersten Teil seines Dreiteilers "2030 - Aufstand der Alten" ausgestrahlt. Darin wird die Geschichte einer Journalistin erzählt, die im Jahr 2030 den mysteriösen Tod eines Rentners aufzuklären versucht und im Zuge dessen auch auf verbreitete Altersarmut stößt. Dabei wurde die fiktive Geschichte mit dokumentarischen Elementen verbunden.
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