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Jüdischer Friedhof geschändet
Zentralrat der Juden beklagt wachsenden Antisemitismus
Jüdischer Friedhof geschändet: Zentralrat der Juden beklagt wachsenden Antisemitismus
Charlotte Knobloch nimmt Hans-Werner-Sinns Entschuldigung an. FOTO: ddp, ddp
Berlin (RPO). Der Zentralrat der Juden beklagt einen wachsenden Antisemitismus in Deutschland. "Es gibt eine fortschreitend um sich greifende Feindschaft gegen Juden, mehr und mehr auch in der Mitte der Gesellschaft", sagte Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrats, in einem Interview. In Unna wurde der jüdische Friedhof geschändet.

Kramer lobte im Gespräch mit dem "Tagesspiegel", dass am Dienstag in vielen Veranstaltungen an den 64. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 erinnert werde. "Doch wir mussten auch feststellen, dass während des Gaza-Krieges die Zahl der Hass-Mails an den Zentralrat um 40 Prozent auf 200 bis 300 pro Woche zugenommen hat." In einem Zehntel seien "explizite Morddrohungen gegen persönlich benannte Mitglieder des Zentralrats" ausgestoßen worden.

Kramer kündigte an, von der Spitze des Zentralrats werde niemand an der Veranstaltung des Bundestages zum Gedenken an die Opfer des Holocausts teilnehmen. Die Vertreter des Zentralrats, die in den vergangenen Jahren auf der Zuschauertribüne Platz genommen hätten, seien nie persönlich begrüßt worden.

Zudem sei am vergangenen Mittwoch in der ARD-Talkshow "Hart aber Fair", in der heftig über den Gaza-Krieg debattiert wurde, "eine Hetzjagd auf Michel Friedman" veranstaltet worden. Der frühere Bundesozialminister Norbert Blüm (CDU) und weitere Teilnehmer hatten Friedman, der das israelische Vorgehen gegen die Terroristen der Hamas verteidigt habe, hart attackiert.

Der Fall des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson

Außerdem sei es unerträglich, dass auch die Holocaust-Leugung durch den britischen Bischof Richard Williamson keinen größeren Protest hervorgerufen habe. Immerhin hat sich die deutsche Bischofskonferenz von der Leugnung des Holocaust durch den britischen Bischof der traditionalistischen Piusbruderschaft, Richard Williamson, distanziert.

Der Vatikan hat sich von den Äußerungen des traditionalistischen Bischofs und Holocaust-Leugners Richard Williamson distanziert. Der Anhänger der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. habe mit seinen "inakzeptablen" Aussagen der "Lehre der Kirche widersprochen", schrieb die offizielle Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" am Montag. Ein Katholik dürfe die Verurteilung des Antisemitismus' nicht in Frage stellen.

Der Vorsitzende der Unterkommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum der Bischofskonferenz, der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, betonte am Montag: "Dieser ausdrücklichen Leugnung des Holocaust, die bereits Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen in Deutschland ist, widersprechen wir auf das Schärfste."

Rechtsextreme beschmieren jüdischen Friedhof

Vermutlich rechtsextremistische Täter haben in den vergangenen Tagen in mehreren Orten im Kreis Unna Hakenkreuze gesprüht und Büros der Linkspartei und der Grünen beschmiert. Unter anderem wurde der jüdische Friedhof in Unna geschändet, wie die Polizei am Montag mitteilte. Dort sprühten die unbekannten Täter in der Nacht zum Samstag Hakenkreuze und SS-Symbole mit schwarzer Farbe auf drei Gedenktafeln.

Außerdem beschädigten sie die Fensterscheiben eines Büros der Grünen in Kamen. In Unna wurden Hakenkreuze auf die Glasscheibe und Eingangstür eines Büros der Linkspartei gesprüht. In Holzwickede beschmierten die Rechtsextremen ein Trafohäuschen sowie neun Garagen mit ihren Slogans und Symbolen. Die Ermittlungen zu den Tätern dauern an. Der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

Quelle: AP
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