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Rassismus in Zorneding
Schwarzer Pfarrer tritt nach fünf Morddrohungen zurück

Drohungen gegen deutsche Politiker – ein Überblick
Drohungen gegen deutsche Politiker – ein Überblick FOTO: dpa, hsc lre
Zorneding. Der katholische Pfarrer der oberbayerischen Gemeinde Zorneding (Landkreis Ebersberg), Olivier Ndjimbi-Tshiende, tritt nach mehreren Morddrohungen gegen ihn zurück.

Der aus dem Kongo stammende Ndjimbi-Tshiende, wird zum Ende des Monats die Pfarrei Sankt Martin verlassen. Grund seien fünf Morddrohungen, die er in den vergangenen Monaten erhalten habe, heißt es in einem Beitrag auf der Internetseite "sueddeutsche.de". Zugleich sei er Nachstellungen ausgesetzt gewesen. Der Geistliche selbst war für eine Stellungnahme am Sonntag nicht erreichbar.

Hintergrund sind Auseinandersetzungen des Seelsorgers und seiner Gemeinde mit der örtlichen CSU. Dabei geht es unter anderem um die Flüchtlingspolitik. Außerdem kam es zu rassistischen Äußerungen von Ortspolitikern. Diese führten Ende vergangenen Jahres zu Rücktritten, nachdem sich auch die oberbayerische CSU-Bezirkschefin Ilse Aigner eingeschaltet hatte.

In dem Beitrag auf sueddeutsche.de heißt es, die Erzdiözese München und Freising habe das Rücktrittsgesuch von Ndjimbi-Tshiende Anfang vergangener Woche angenommen. Die Pfarrgemeinde sei in den Sonntagsgottesdiensten von ihm über seine Entscheidung informiert worden, die Gremien bereits zuvor.

Nach der Affäre um rassistische Äußerungen war Anfang November der oberbayerische CSU-Lokalpolitiker Johann Haindl mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Mit ihm legte die CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher ihr Amt nieder. Sie hatte mit einem Beitrag im Parteiblatt "Zornedinger Report" einen Skandal ausgelöst, in dem sie gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck polemisierte.

Zugespitzt hatte sich die Situation um Haindl, als er in der Ebersberger Lokalausgabe des "Münchner Merkur" mit den Worten zitiert wurde: "Der (Pfarrer von Zorneding) muss aufpassen, dass ihm der Brem (Altpfarrer von Zorneding) nicht mit dem nackerten Arsch in Gesicht springt, unserem Neger." Daraufhin meldete sich das Münchner Erzbischöfliche Ordinariat und verurteilte die Bemerkung, sollte sie korrekt zitiert worden sein, "auf das Schärfste". Haindl soll sich mittlerweile entschuldigt haben.

Der 66-jährige Geistliche leitet seit 2012 die Pfarrei von Zorneding bei München. Er empfing 1979 die Priesterweihe und ist ein in Deutschland habilitierter Philosoph. Seit 2009 gehört er dem Münchner Diözesanklerus an und ist inzwischen auch deutscher Staatsbürger.

(felt/dpa/KNA)
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