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Rund ums Verstecken
Zu Ostern auf Glaubenssuche

Rund ums Verstecken: Zu Ostern auf Glaubenssuche
FOTO: afp, DA
Düsseldorf. Das Verstecken haben wir uns zum Thema der diesjährigen Osterausgabe gemacht. An die Suche nach bemalten Eiern werden viele zunächst gedacht haben, bis immer mehr Verstecke sichtbar wurden, Spielarten des Verborgenen. Das betraf auch unsere journalistische Arbeit: Welche versteckten Botschaften können in Texten lauern? Von Lothar Schröder

Eine Frage ist ja, warum Kinder sich so liebend gern verstecken. Logisches Denken werde bei diesem Spiel geschult, sagen manche Psychologen. Andere meinen, das Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit spiele dabei eine Rolle.

Und das vielleicht schon seit Menschengedenken: Die Höhle ist der überschaubare, vertraute Raum. Wer dort ist, scheint geschützt. Wer sich dorthin begibt, zieht sich zurück aus der Welt, den Gefahren und all dem Unwägbaren. 

Das Verstecken scheint mehr zu sein als die säkulare Brauchtumsvariante des christlichen Hochfestes. Denn auch das Grab Jesu kann als Versteck gesehen werden, in dem sich der Tod der Erfahrung und der Wahrnehmung der Menschen entzieht. Die Felsenhöhle ist ein Rückzugsort – nicht aber der letzte. Wenn Gottes Sohn sein Grab verlässt und sich Maria von Magdala zeigt, wird alles zur Botschaft: In dieser Begegnung wird die Auferstehung greifbar. Nichts muss mehr versteckt werden, der Glaube wird öffentlich und tritt in die Welt hinaus.

Der Triumph über den Tod darf als eine unglaubliche Geschichte gelten. Sie war es damals und ist es noch heute. Selbst die Jünger hatten zunächst Probleme, Marias Berichten zu folgen. Weil ihnen der unbedingte Glaube fehlte, brauchten sie den Beweis, den Augenschein. Und so begann, wie es im Evangelium nach Johannes heißt, ein würdeloses Wettrennen zum Grab, bei dem selbst Petrus mitmachte, der Fels der Kirche. Jeder wollte der Erste und exklusiver Augenzeuge des Unglaublichen sein. 

Das aufgelassene Versteck wird zum Beleg für die Auferstehung

Am Ende wird das aufgelassene Versteck zum Beleg für die Auferstehung. Eine Leerstelle, die uns vor Augen führt, dass das, was sich da ereignete, nach menschlichem Ermessen unbegreiflich bleiben muss. Unsere Suche nach Beweisen läuft nicht nur sprichwörtlich ins Leere. Faktisch ist da nichts. Was uns helfen kann, ist allein der Glaube. Und das ist eine ganz erhebliche Anforderung, die an uns gestellt wird.

Mag sein, dass die Menschen auch darum die frohe Botschaft spielerischer und kindlicher vermitteln wollten – etwa mit dem Verstecken der Ostereier. Das alles ist Brauchtum, gewiss, aber kein Hokuspokus. Denn im Christentum dient das Ei auch als Symbol der Auferstehung. Die Suche lohnt sich.

 

 
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